Lambach.
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das Jahr 1289 erscheinen die „Stadel", bestimmt zum Salzverschleiss von Ischl
herab. Unter dem herrlichen Abte Thomas (1422—1436) wurde die im romanischen
Style erbaute Stiftskirche gothisirt, zwei seiner geistlichen Söhne erhielten die Infuln
von den Schotten in Wien und Nieder-AItach. Abt Johannes IV. Schwarzwadel
(1479—.1504), ein Freund der Wissenschaft, besonders der Mathematik und Astronomie,
erwarb viele literarische Freunde und reiche Bücherschenkungen.
In der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhundertes wurde das Stift von den vom
Klosterrathe bestimmten Aebten als kaiserliches Kammergut verwaltet. Erst Abt
Wolfgang Kammerschreiber (1571—1585) erneuerte die Klosterschule und sammelte
wieder einen regulären Convent. Der eigentliche Wiederhersteller des Katholicismus
und der Observanz war der Abt Burkhard aus dem Patriciergeschlechte der Furten¬
bacher von Augsburg, vordem Mönch von St. Ulrich und Afra in Augsburg. Mit
und nach ihm förderte Abt Joannes Binmelius nachdrücklichst die katholische Er¬
neuerung. Abt Placidus Hieber war eine Zierde des Stiftes, des Ordens und des
Landes. Unter ihm wurde Joannes Schmizberger Abt zu den Schotten und Weih¬
bischof von Wien a. 1669. Der liebenswürdige Abt Maximilian Pagi krönte die
dem Kloster benachbarten Hügel mit zierlichen Capellen, baute die Wallfahrtskirche
der allerheiligsten Dreifaltigkeit in der Paura, errichtete ein Waiseninstitut daselbst
und die Musikschule im Stifte und beförderte die klösterlichen und öffentlichen
Gottesdienstübungen auf das kräftigste.
Unter Abt Amand Schickmair (f 1794) kam Lambach an den Rand des
Unterganges, woran der Zeitgeist und insbesondere die Josephinische Gesetzgebung
nicht geringen Antheil hatten. Nichts destoweniger überdauerte Lambach nach
Gottes Willen diese Katastrophe. Aber arge Misswirthschaft, besonders der weltlichen
Beamten, brachte das Stift, das die Franzosenkriege arg geschädiget hatten, a. 1820
an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Die Stiftsmitglieder mussten die volle Bitterkeit
der strengsten Vormundschaft erfahren, aber sie sorgten für den Fortbestand des
Hauses, pflegten nach Kräften die Seelsorge, katalogisirten die Bibliothek.
In den letzten drei Decennien erlebte Kirche und Kloster bedeutenden Auf¬
schwung. Man sammelte eifrigst alles historisch merkwürdige, pflegte die Kunst in
Malerei und Bildhauerei. Die alte Pfarrkirche, der Kreuzgang, der Capitelsaal, die
Oratorien des Stiftes wurden kunstreich und musterhaft erneuert, die Stiftskirche
selbst und sämmtliche Stiftsgebäude wurden in jüngster Zeit geschmackvoll restaurirt.
Das Stift besetzt durch seine Capitularen die Pfarreien Neukirchen, Aichkirchen,
Bachmanning und das Curat-Beneficium zu Stadl-Paura.
Die liocliw. Herren Aebte.
I. Amcind (Schickmair), Sr. k. u. k. apostol. Majestät Rath, 1746—1794 (1794).
IL Julian (Ricci), Sr. k. u. k. apostol. Majestät Rath, 1794—1812 (1812).
III. Maurus (Stützinger), Sr. k. u. k. apostol. Majestät Rath, 1812—1823 (1842).
IV. Theodorich (Hagn), vorher Novizenmeister zu Kremsmünster, durch den Ordens-
Visitator Cardinal Fürst Schwarzenberg zum Abt ernannt 8. September 1858,
vom apostolischen Stuhle bestätiget 13. December 1858, benedicirt in Lambach
17. März 1859, Sr. k. u. k. apostol. Majestät Rath, 1859—1872 (1872).
V. Johann X. (von Lasser), Pr. 1846, Abt vom Stiftscapitel gewählt 1873, Sr. k. u. k.
apostol. Majestät Rath.
Prioren und Stifts-Administratoren.
P. Erenbert Speri 1771—1811 (1811).
P. Maurus Stützing er, 1811—1812 (siehe oben).
P. Maximilian Mayer, Consistorialrath, Pfarrv., 1812—1820 (1856).
P. Carl Kaiscrmair, Administr., Dechant, Consistorialrath, 1820—1852 (1852).