Full text: Sperrfeuer um Deutschland

Ergebnislosigkeit ihrer Entscheidung^chlacht hinwegzutäuschen. Die 
Erfolge vor Verdun bestärkten sie Ln ihrer zuversichtlichen Auffassung. 
Aber dann vollzog sich schlagartig, unaufhaltsam der Zusammen 
bruch Rumäniens. Alle Hoffnungen, die man auf den Balkan gesetzt, 
brachen zusammen. Auch Sarrail mußte seine mazedonische Offen 
sive beenden. 
Als man sich unter solchen Veränderungen an die Bilanz des 
Jahres J9)6 machte, zeigte es sich: 
Die Franzosen hatten furchtbar geblutet. Die Blüte ihrer Armee 
war vor Verdun, auf den Ufern der Somme geblieben. Das Land 
war von einer tiefgehenden Kriegsmüdigkeit ergriffen. Joffres Ruhm 
starb an der Somme, wie Falkenhayns Strategie vor Verdun zu 
grunde ging. 
wandte Deutschland in höchster Not sein Vertrauen dem Sieger 
von Tannenberg zu, so Frankreich jetzt seines dem General Nivelle, 
der als Nachfolger petains den wütenden Angriff der Deutschen vor 
Verdun in sein Gegenteil verwandelt hatte. Ein strahlender Nimbus 
umgab General Nivelles Haupt. In ihm sah man die Jugend, die 
Energie, den Elan und die göttliche Inspiration. 
Als Nivelle im Dezember J9)6 sein Amt übernahm, hatte die 
pessimistische Stimmung innerhalb der Regierung und auch bei einem 
großen Teil der Armee festen Fuß gefaßt. Seine Forderung nach 
einer neuen Offensive traf alle Instanzen wie ein peitschenschlag. 
„weder die, denen ich zu gehorchen habe, noch diejenigen, die mir 
gehorchen sollen, unterstützen mich!", rief er. 
Die Regierung fand nicht den Mut, ihn fallenzulassen. — 
Mit Beendigung des Rückzuges in die Siegfried-Stellung wurde 
die Westfront in drei Heeresgruppen aufgeteilt. 
Es war schwer zu sagen, an welchem Punkte der Front zwischen 
Lille und den Argonnen der Hauptstoß des Gegners einsetzen würde. 
Die Oberste Heeresleitung rechnete folgerichtig, daß der Angriff nach 
Fortfall der Mitte auf beiden Flanken geführt werden würde. Das 
heißt, durch die Engländer vor Arras, durch die Franzosen zwischen 
Soissons und den Argonnen. 
Jetzt mußte sich zeigen, ob die Umschulung des deutschen Heeres 
auf das neue Kampfverfahren gelungen, ob dies Verfahren selbst 
brauchbar war und ob die ungeheuren industriellen Anstrengungen, 
die man der Heimat auferlegt, für den Ernstfall ausreichten. 
Die erheblich verstärkten Luftstreitkräfte sicherten zum erstenmal, 
wenigstens an den Hauptkampfstellen, die deutsche Überlegenheit in 
der Luft und gaben dem Soldaten im Graben ein Gefühl der Beruhi 
gung und der Zuversicht. Besonders vorzüglich waren die Jagd 
staffeln geschult. Der zu früh gefallene Hauptmann Boelcke hatte 
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