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gesehen und darnach behandelt. Jod- und Quecksilber
präparate und Holztränke wurden .der Reihe nach ange
wendet, hatten aber nur einen vorübergehenden Erfolg,
indem die Geschwüre sich zeitweilig reinigten und ver
kleinerten, bald aber wieder ihren früheren Charakter
annahmen und neue Knoten von gleicher Beschaffenheit
dazukamen. Die Frau wurde nun nach Bad-Hall geschickt,
wo sie sich nebst einer Trink- und Badekur auch abermals
einer energischen Einreibungskur unterzog. Nach sechs
wöchentlichem Aufenthalte daselbst waren sämmtliche Ge
schwüre bis auf zwei, die erst ihrer Vernarbung entgegen
sahen, geschlossen. Ob die Heilung eine dauernde geblieben
sei, konnte ich nicht erfahren, indem die Dame in ihre
Heimat nach Galizien gereist ist und nichts weiter von
sich hören Hess.
Herr V. S. H., Fabrikant aus W., hatte gleichfalls zu
einer Zeit, wo er an seine vor vielen Jahren acquirirte
und regelrecht behandelte Syphilis nicht mehr dachte, fast
gleichzeitig an der Stirne und am Arme thalergrosse Ge
schwüre bekommen, welche Monate lang der sorgfältigsten
und rationellsten Behandlung seines äusserst gewissen
haften und fachtüchtigen Arztes trotzten. Dieser sah sich
daher veranlasst, zumal die Geschwüre auch sehr empfind
lich wurden und dem Patienten den Schlaf störten, den
selben nach Bad-Hall zu senden, wo er nach 5wöchent
lichem Kurgebrauche vollkommen geheilt wurde, und es
auch bis jetzt (es sind seitdem 5 Jahre verflossen) ge
blieben ist.
Herr G. T., Kaufmann aus R., ein durch ein mehr
jähriges Leber- und Milzleiden herabgekommener Mann,
bekam plötzlich im Februar 1879 am linken Schienbein
und am Brustbein eine Schwellung, welche ihn anfangs
nicht genirte, nach 2 Monaten aber, ohne dass auffällige