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seinem Berufe und in seinen geselligen Vergnügungen
lästig fielen. Nach dreiwöchentlichem Kurgebrauche in
Bad-Hall war der Inhalt sämmtlicher Knoten verflüssigt
und nekrotisirt und nach abermals drei Wochen waren die
gesetzten Hohlräume mit gesunden Granulationen ausge
füllt und in Vernarbung begriffen. Seitdem ist Patient
von Nachschüben verschont geblieben. Merkwürdig ist,
dass bei einem Sohne dieses Herrn, einem robusten kräf
tigen Manne, welcher gleichfalls in den besten Verhält
nissen lebte, im 2. Jahre nach einer Infektion als erstes
allgemeines Symptom derselben gleichfalls Gummaknoten
in grosser Zahl an beiden unteren Extremitäten auftraten.
Auch er wurde in Bad-Hall von seinem Uebel vollkommen
befreit.
Fr. B. S., 22jährige Kaufmannsgattin, war von ihrer
Geburt an bis zu ihrer Verheiratung und ein Jahr nach
derselben erfolgten Entbindung nie ernstlich krank gewesen.
Wenige Tage nach dieser bekam sie an beiden unteren
Extremitäten beulenförmige Geschwülste, welche Anfangs
für Furunkel gehalten wurden, da sie aber wochenlang
persistirten, ohne Entzündungserscheinungen verliefen und
schliesslich bei ihrem Aufbruche missfärbigen, mit Gewebs-
fetzen untermischten Inhalt entleerten und speckigbelegte
Geschwüre darstellten, so wurden dieselben von dem be
handelnden Arzte für syphilitische erklärt, obwohl die
Frau, wie oben erwähnt, nie früher eine Spur von Syphilis
dargeboten hatte und auch eine Infektion durch ihren
Mann, welcher vollkommen gesund war, ausgeschlossen
werden musste. Dagegen erinnerte sich der Hausarzt der
Familie, den Vater dieser Frau, ein Jahr bevor diese zur
Welt gekommen war, an Syphilis behandelt zu haben.
Es wurde also dieser Fall als eine äusserst spät (erst im
22. Lebensjahre!) aufgetretene hereditäre Syphilisform an