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besitzt, bei den Gemeindewahlen das geziemende Gegen
geschenk für diese humane Haltung nicht vorenthalten
wird.
Die Genossen G r u b e r, Mehr und Mayrhofer
iviesen in ergreifenden Reden auf die furchtbare Woh
nungsnot in ganz Oberösterreich und forderten die tatkräf
tige Unterstützung des Landes zu ihrer Beseitigung, die
zugleich eine Milderung der Arbeitslosigkeit herbeiführen
würde.
Der Landtag nahm auch den sozialdemokratischen
Dringlichkeitsantrag einstimmig an und beschloß am 3. Juli
1922 die Aufnahme eines Wohnbaudarlehens von 2 Mil
liarden und die Einführung von Zwecksteuern zur Be
schaffung von Mitteln für den Wohnungsbau.
Es war aber alles nur Trug. Seit dem 3. Juli 1922
sind 19 Monate verflossen. Es wurde weder das Wohn
baudarlehen von 2 Milliarden ausgenommen noch eine
Wohnbausteuer beschlossen. Unseren mahnenden Genossen
wurde heuchlerisch bedeutet, die Banken verweigerten dem
Lande den bezüglichen Kredit. Man bewarb sich um ein
Alibi und es wurde prompt geliefert. Nur schade, daß
die Begebungsmöglichkeit nicht fehlte, als bald darauf
das von den hartherzigen Kreditinstituten abgewiesene
Oberösterreich einen Kredit von mehr als zwanzig
Milliarden zur Deckung des Defizits im Landeshaus
halte benötigte.
Da Vorstellungen in den Ausschüssen fruchtlos blieben,
sah sich unsere Partei gezwungen, einen neuen Antrag im
Landtage einzubringen, der sich mit der Wohnungsnot be
schäftigt.
Es ist dies der Antrag der Genossen Gr über und
Mehr vom 18. Dezember 1923, in dem es unter Bezug
nahme auf unseren Antrag vom 1. Juni 1922 heißt:
„Der Landtag hat unseren Antrag einstimmig an-
genomen, in den seither verflossenen 17 Monaten ist aber
auch nicht das Geringste geschehen, um diesen einhellig ge
faßten Beschluß durchzuführen. Es ist dies ein beschämen
der Beweis für den Mangel an Ernst, mit dem die Mehr
heit die Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit im Lande be
handelt und auch ein Zeichen des Respektes, den man. Be
schlüssen dieses Hauses entgegenbringt. Mit der Verant
wortung für die Sabotage des von uns gestellte» Antrages
belasten wir vor den Wohnungslosen und Arbeitslosen