Volltext: Oö. landwirtschaftlicher Kalender 1905 (1905)

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Unterricht sehr viel; es werden den Schülern Anweisungen gegeben, wozu 
ein eigenes Musterfeld benutzt wird, welches sich bei jeder Anstalt befindet. 
Außerdem werden öfters kleinere oder größere Ausflüge nach benachbarten 
Gütern und Betrieben gemacht und dort wird den Schülern alles erklärt. 
Der junge Landwirt kann sich fürwahr ein schönes Wissen in der land 
wirtschaftlichen Winterschule erwerben und dann auch bahnbrechend in seiner 
Heimat wirken, wenn er klug und weise ist und das Gelernte vor aller 
Augen auf seinem Besitzthum anwendet. Vielleicht denkt nun mancher von 
Euch, da muß ich meinen Buben auch hinschicken; bisher hab' ich eigentlich 
gar nicht gewußt, was eine Winterschule ist!" 
,,Da mußt uns schon auch noch sagen, was alles erforderlich ist, 
wenn einer in die landwirtschaftliche Winterschule aufgenommen werden soll. 
Ich thät meinen Buben hinschicken," meinte der Kreuzanderl. „Wann be 
ginnt denn das neue Schuljahr?" 
„Gewöhnlich am 1. November und dauert bis ungefähr Ende März. 
Die Schule fällt also gerade in eine Zeit, wo der Bauer ohnehin nicht 
viel zu thun hat und seine Söhne leicht entbehren kann. Bezüglich des 
Alters heißt es, daß es am besten ist, wenn Söhne 14 oder 15 Jahre alt 
sind. Das ist jedoch nicht richtig. Abgesehen davon, daß auch jüngere Leute 
aufgenommen werden, gilt der Grundsatz: Je älter, desto besser. Hinauf 
gibt's keine Altersgrenze. Leute mit 20, 25 und 30 Jahren sind in den 
. Katalogen einzelner Schulen eingetragen. Es ist auch ganz einleuchtend, 
daß ein älterer Sohn, der schon in der Wirtschaft längere Zeit thätig war, 
ganz anders den Unterricht erfaßt und verwertet als ein jüngerer Bursche, 
der fast noch ein Kind ist. Der letztere sieht die Winterschule nur zu oft 
als eine „lästige" Schule an, der erstere aber als das, was sie ist, als 
eine wertvollere Bereicherung seiner Kenntnisse. Mögen sich daher unsere 
Bauernsöhne nur nicht schämen, die Winterschule zu besuchen, wenn sie auch 
die „Zwanziger" überschritten haben. Zum Lernen ist man nie zu alt, das 
Lernen ist nie eine Schande, sondern eine Ehre. Und die Prüfung, die man 
mitmachen muß! Welch eine Freude ist sie für jeden, der mit besonderer 
Auszeichnung behandelt wird. Ich kann daher die Winterschulen den heran 
wachsenden jungen Bauernsöhnen nur auf das Beste empfehlen. Die Zeit 
schreitet nach vorwärts,, ja mit Riesenschritten vorwärts und wir Bauern 
müssen mit, wenn wir nicht von derselben verschlungen werden sollen!" 
A. Slöhr. 
Diebs- und feuersichere Wandschränke. 
(Mit Abbildung.) 
Wenn der Landwirt auch selten über große und besonders unbenutzt 
liegende Capitalien verfügt, so befinden sich in seinem Besitze doch sehr 
häufig Gegenstände von Wert, wertvolle Schriften oder Acte und Documente 
u. s. w., für welche es am Lande zumeist an einem passenden, sicheren Auf 
bewahrungsorte fehlt. 
Während im städtischen Bureauverkehr als Aufbewahrungs- und Ver 
schlußbehältnis für Casse und Hauptbücher der eiserne Geldschrank am Platze 
ist und sich behaupten wird, dürfte für ländliche Verhältnisse der diebes-
	        
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