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Die Kämpfe um Baranowitschi.
Südflügel der Armee-Abteilung mit Feuer mäßiger Stärke b'e»
legt blieb.
Der große Angriff beginnt.
Die Wolken teilen sich, und eiserner Tod greift tastend umher.
Das Schicksal pocht gegen die Gräben, gegen die Unterstände, zerrt
und reißt an Hindernis und Draht. Die Stunden kriechen und
schleichen. Was wird der Abend, die Nacht bringen? ... Endlos
dehnt sich die Zeit. Wann wird der Sturmangriff daherbrausen,
braune Flut Heranwirbeln? Wann werden sich die Hindernisse
füllen mit brüllenden, zuckenden Menschenleibern?
Träge naht der Nachmittag, der Abend. Wird nun die
Entscheidungsstunde schlagen, da deutsche Unerschütterlichkeit der
Heimat und der Welt neuen Ruhm künden soll?
Donnerschläge des eisernen Gewitters rasseln. Schwefelgelbe
Blitze zucken über den Gräben. Ein Sausen und Heulen peitschen-
der, gellender, gurgelnder Geschosse durchschneidet die Luft. Grin-
send, lauernd hockt der Tod im Unterstand und Graben. Nehmen
diese Stunden, diese ewigen Stunden kein Ende? Wann schrillt
das Alarmsignal, das uns Schützen an die Brustwehr treibt zum
Nahkampf ? Werden dann unsere Geschütze den Russen mit rasen-
dem Feuer überschütten? Wer wird dann noch leben von uns
oder sich in seinem Blut am Boden wälzen? Vernimmst du dann
noch das Getümmel der Schlacht . . . oder liegst du stumm und
kalt? ...
Lahme, müde Stunden dehnen sich zu Ewigkeiten. —
Noch ahnt die ferne Heimat nichts. Was meldete doch der
Heeresbericht gestern abend? „Artilleriefeuer mäßiger Stärke an
Schtfchara und Serwetfch" . . . Was wird er heute melden?
Was bedeute ich hier draußen . . . Schlester, Pofener, Branden-
burger, Österreicher ... hier im Unterstand? . . . Ein winziges
Körnchen Leben zwischen Millionen und aber Millionen Körn-
chen Sand. Oder bin ich mehr als dieses? Hängt nicht
von jedem Körnchen, von mir, von uns allen hier draußen das
Schicksal der Heimat ab? Soll Deutschland sterben, weil i ch leben
will?...