Volltext: 55. Heft 1914/15 (55. Heft 1914/15)

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Ein Zweimastschoner von einem Flugzeug 
vernichtet. 
Der große Krieg hat schon manches Unwahrschein¬ 
liche wahr gemacht. Wir sahen und sehen Riesenstädte 
vor Luftschiffen im Dunkeln zittern, sahen gigantische 
Geschosse die modernsten Forts mit einem Schlage zer¬ 
malmen. Unterseeboote machten Reisen von nie geahntem 
Umfang. Kurz eine ganz neue Welt der Kriegstechnik 
ist vor uns entstanden. Auch die Taten der Flugzeuge 
gehören in dies neue Kapitel. Eine klassische, historische 
Leistung hat ein deutsches Wasserflugzeug vor einiger 
Zeit in der Nähe von Dünamünde vollbracht. Es befand 
sich auf der Rückreise von einem Aufklärungsflug im 
Rigaischen Meerbusen. Im Dunste des herrlichen Sep¬ 
tembermorgens bemerkte der Beobachter etwa 20 See¬ 
meilen nordwestlich Dünamünde aus 2000 Metern Hohe 
einen Zweimasterschoner, der Kurs auf Dünamünde 
hatte und sich von einem kleinen Schlepper ziehen 
ließ. Kurz entschlossen ging das deutsche Marineflug¬ 
zeug in steilem Gleitflug nieder, umkreiste dann in 
100 Metern Höhe mit wieder angestelltem Motor das 
Schiff, und der Beobachter zwang durch seine Schüsse 
alle Mann an Deck zu kommen und hier mit erhobenen 
Armen der weiteren Dinge zu harren. Nachdem so 
jede Gefahr des Rammens ausgeschlossen war, ließ sich 
der Doppeldecker auf das Meer nieder- und stellte fest, 
daß er den russischen Schoner „ 2a“ vor sich hatte. Alle 
Mann mußten ein Rettungsboot besteigen, während ein 
zweites Boot gezwungen wurde, den Beobachter an 
Bord des Schleppers zu bringen. Mit diesem fuhr 
d'er Beobachter dann zum „2a“ und untersuchte deren 
Ladung. Natürlich war es Bannware, denn der Schoner 
hatte gegen 100 Tonnen Eisen und Kohlen für Riga 
an Bord. Die Leute im Rettungsboot mußten auf 
den Schlepper übersteigen, dann schlug der Beobachter 
ein Leck in den Boden des Achoners, so daß dieser ver¬ 
sank. Der Schlepper durfte seiner Wege ziehen, da die 
unruhiger werdende See zum Ausbruch zwang. Die In¬ 
sassen des deutschen Marinedoppeldeckers können sich 
rühmen, zum ersten Male ein Handelsschiff aufgebracht 
und versenkt zu haben. — Schon vorher hatten Flug¬ 
zeuge sich im Kampf mit feindlichen Schiffen ausge¬ 
zeichnet. So besonders deutsche Flugzeuge während 
der noch jetzt anhaltenden Blockadeversuche gegen Eng¬ 
land. Auch englische Monitoren wurden vor der belgi¬ 
schen Küste durch deutsche Marineflugzeuge beschädigt. 
Ferner erlitten britische Transportschiffe in den Darda¬ 
nellen schwere Beschädigungen durch türkisch-deutsche 
Seeslugzeuge. ^ F. O. 
Auf Patrouille am Isonzo. 
(Nach dem Brief eines Mitkämpfers.) 
Es war in einer Augustnacht drunten am Karst¬ 
gebirge, das so viel Blut von Freund und Feind ge-' 
trunken hat. „Patrouille gehen, das brauchest du ja 
nicht", heißt es in einem unsrer alten Soldatenlieder. 
Dennoch ist nie Mangel an todesmutigen Leuten, die 
sich an die feindlichen Linien heranwagen. Es gilt, 
wichtige Erkundungen vorzunehmen. Das Leben vieler 
hängt davon ab; so opfern sich die wenigen. 
Eine auffällige Stille deutete darauf hin, daß 
der Feind einen Angriff plane. Wo? Das wußte man 
nicht. Patrouillen sollten darüber etwas in Erfahrung 
zu bringen suchen. Eine hatte den Auftrag, festzustellen, 
ob eine bestimmte Stellung jenseits des Flusses noch 
vom Feinde besetzt sei. Es mußten gute Schwimmer 
und gute Kletterer sein, die sich da vorwagten. Und 
keiner konnte wissen, ob nicht hinter diesem Felsen, 
hinter jenem Busch, ein Gegner steckte, oder ob nicht 
künstliche Hindernisse alsbald den Weg versperren würden. 
Dazu mußte die Dunkelheit abgewartet werden, denn 
sonst wäre bei der Wachsamkeit der Feinde der Auftrag 
kaum auszuführen gewesen. Gewährte die Dunkelheit 
Schutz, so erschwerte sie aber auch jede Bewegung. 
Vorsichtig . ging's zwischen Geröll, Gestein und 
Buschwerk in einer Schlucht hinab zum Ufer. Schleichend, 
kriechend, tastend kamen die fünf Mann Schritt vor 
Schritt vorwärts. Alle Organe waren fieberhaft ge¬ 
spannt. Hin und wieder ein Anhalten, ein Aushorchen. 
So erreichten sie den Fluß, der brausend vor ihnen 
dahinströmte. An Durchwaten war nicht zu denken, 
man mußte schwimmend hinüber. Der erste ging 
hinein, mit einem Seil umwunden, das die andern 
hielten und nach und nach durch die Finger gleiten ließen. 
Endlich ein Ruck — das Zeichen, daß der Schwimmer 
drüben angelangt war. Sich am Seil haltend, folgten 
die andern, der letzte führte das Seil mit sich. Nun 
galüs, das hohe Ufer zu erklimmen, in durchnäßten 
Kleidern, jeden Augenblick auf eine Überraschung ge¬ 
faßt. Oben auf der Höhe hielten sie eine Weile und 
spähten nach vorn. Nichts zu sehen und zu hören. Da 
wagten sie sich weiter. Die aufgeregten Nerven täuschten 
ihnen jeden Augenblick Geräusche und Erscheinungen 
vor. Halt! Da war wirklich etwas. Dunkle Körper 
in der Talmulde. Waren es schlafende Feinde? Waren 
es Tote? Ganz dicht krochen sie heran. Vorsichtig tastet 
einer nach einer Hand — kalt! Nach der nächsten — 
kalt! Leiche bei Leiche. Die Leute der Patrouille er¬ 
hoben sich und gingen vorsichtig über das Feld. Jetzt 
entdeckten sie auch zerschossene Geschütze und Wagen. 
Hier hatte die österreichische Artillerie fürchterlich aus¬ 
geräumt. Die Stellung war verlassen, es war keine 
Zeit gewesen, die Toten zu bestatten. 
Mit dieser Feststellung war die Aufgabe erfüllt, 
und die Patrouille konnte sich auf den Heimweg machen. 
Denselben Weg zurück, zum zweitenmal schwimmend 
durch den schäumenden Fluß. Als die Mannschaften 
aber am eigönen Ufer waren, bökamen sie plötzlich 
Feuer. Vor ihnen, hinter ihnen, an allen Seiten schlugen 
die Geschosse ein, Steinsplitter, Staub, Äste flogen 
durch die Luft. Die Leute legten sich platt auf die Erde. 
Die Minuten wurden ihnen zur Ewigkeit. Endlich ließ 
das Feuer nach und suchte sich eine andre Stelle. Die 
Patrouille konnte weiter eilen und kam heil zur Truppe 
zurück, um ihre wichtige Meldung zu überbringen. 
Da eine andre Patrouille den zum Angriff fertigen 
Feind aufgespürt hatte, konnten die eigenen Truppen 
an der gefährdeten Stelle zusammengezogen werden, 
und der Angriff wurde abgeschlagen. So hatte auch 
diesmal die Kühnheit und Umsicht weniger Männer 
zahlreichen Kameraden das Leben gerettet. v. St. 
* * 
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Monitoren. 
Von Friedrich Otto, Berlin. 
Bei den vergeblichen Angriffen der englischen Flotte 
auf die belgische Küste traten auch englische Monitoren 
in Tätigkeit, allerdings in passive, denn sie mußten sich 
gewöhnlich mit Treffern im Leib zurückziehen oder ziehen
	        
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