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Ernst Lehmann
und Juli die rosaroten Mohnfelder, reihenweise standen neben den Eisenbahnen die
Sonnenblumen, ja ganze Felder dieser sonst nur hie und da im Garten vereinzelt
erzogenen Pflanzen mit den großen, gelben Blütenköpfen standen häufig in Blüte.
In den Straßen, an den Bahnhöfen mahnten künstlerisch ausgeführte Reklame
bilder mit Mohn und Sonnenblumen und der Aufschrift: Pflanzt Öl! (Abb. 1) an die
Forderung der Zeit.
Die Sonnenblume.
Die Sonnenblume (Helianthus annuus) ist wie Kartoffel und Tabak, welche
uns ja auch im Kriege besonders nahe gerückt sind, amerikanischen Ursprungs.
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Sie ist gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus Peru zu uns gekommen. Schon seit
langem wird sie in Ungarn, in Rumänien, in Rußland, besonders im Gebiete der
Wolga und des Schwarzen Meeres, weiter in Indien und gewissen Teilen Chinas ihrer
ölreichen Früchte wegen angebaut. Der Ölgehalt dieser Früchte, der im Keimling
der Samen aufgespeichert ist, ist ein ziemlich großer. Er beträgt durchschnittlich
40 Prozent. Pro Hektar sollen sich 800—1500 Kilogramm Fett erzielen lassen. Unter
den Erwerbszweigen des Nordkaukasus spielt die Sonnenblumenölproduktion eine
hervorragende Rolle. Im Jahre 1907 waren dort nach Wüst nicht weniger als
400 Fabriken, deren Leistungsfähigkeit teilweise ganz erheblich war, mit der Öl
gewinnung aus Sonnenblumensamen beschäftigt. Das Sonnenblumenöl wird
vom russischen Bauern ganz besonders zu Fastenspeisen gebraucht. Aber auch
zu technischen Zwecken wird es daselbst verwendet.