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Bastian Schund
mineralischen Pflanzennährstoffe im Boden, ohne die nun einmal keine Pflanze
gedeihen kann.
In großen Vegetationsgemeinschaften, wie beispielsweise dem Urwald, ist es
die Natur selbst, die für den ununterbrochenen Kreislauf sorgt, wo jede Pflanze
und jedes Tier der Erde wieder gibt, was von ihr empfangen wurde.
In der primitiven Landwirtschaft eines dünnbevölkerten Gebietes, wo der
Bebauer der Scholle auch als Verzehrer auf ihr bleibt, wo man keinen Raubbau
und keinen Export kennt, wo keine Abwanderung stattfindet, kann man mit der
menschlichen und Stalldüngung auskommen. Im allgemeinen erhält der Acker
in anderer Form, aber mit denselben Stoffen zurück, was er gegeben. Die Ver
witterung des Bodens, namentlich durch den Jahreszeitenwechsel bedingt, tut das
ihrige. Dazu kommen noch die Quellen der Atmosphäre verschiedener Art. Soll
aber der Boden vielen dienen, soll er eine große, namentlich auch städtische, weit
von der Erzeugungsquelle wohnende Menschenmenge ernähren, dann geht dem
Boden mineralischer Nährstoff verloren, der Acker verarmt.
Liebig hat der Umstand, daß die Chinesen mit den menschlichen Exkrementen
von jeher rationell umgingen und damit vortrefflich wirtschafteten, sowie anderer
seits der traurige Verfall der einstigen Kornkammern Roms (Sizilien und Nordafrika),
deren Fruchtbarkeit durch die cloaca maxima ins Meer geschwemmt wurde, Anlaß
zu weittragenden Überlegungen gegeben. Und wenn wir heute, wo wir beispiels
weise die Stickstoffabgabe der 1500 Millionen Menschen auf 30000 Tonnen berechnen,
erleben, daß die größten Mengen derselben ins Meer geschwemmt werden,
dann muß die Landwirtschaft unter solchen Umständen für entsprechenden Ersatz
sorgen, mit anderen Worten, die Herstellung und Benutzung künstlicher Dünger,
einer alten Mahnung Liebigs gehorchend, bewerkstelligen.
Es würde hier zu weit führen, auf das von Liebig erkannte Gesetz des Mini
mums einzugehen, das für alle Zeiten den Feldbau beherrschen wird und welches
besagt, daß der Ertrag einer Kulturpflanze von dem Pflanzennährstoff abhängig
ist, der in der Entwicklungs- und Wachstumsperiode der Pflanze in geringster Menge
zuteil wird. (Es hat jetzt übrigens den Charakter und die Vollgültigkeit eines
Naturgesetzes angenommen.) In richtiger Erkenntnis aller dieser Lehren wurde
dann mit Recht gefolgert, daß man nicht nur das Gleichgewicht des Bodens erhalten
müsse, sondern auch, daß man den Ertrag um ein Vielfaches steigern könne, wenn
man für entsprechende Nachfuhr von notwendigen Dungstoffen sorgte. Der Boden
ist also ein berechenbares Objekt. Man fragt, mit wieviel Mineralstoffen man düngen
muß, um rationell zu arbeiten. — Die Frage nach den Quellen von künstlichem
Dünger ist uns schon lange vor dem Kriege als eine außerordentlich wichtige er
schienen. ,,Billiger Stickstoff und ausreichende Stickstoff quellen“
ist schon seit Jahrzehnten die Losung der Landwirtschaft, wozu noch der Bedarf
an phosphorsauren Salzen und Kali vor allem kommt. Vom atmosphärischen
Stickstoff können leider nur wenige Pflanzen, nämlich die sogenannten Legumi
nosen (Lupinen, Klee usw.) Gebrauch machen und ohne Stickstoffdüngung, wie
die vortrefflichen Untersuchungen von Hellriegel ergaben, auskommen. Selbst
auf sterilisiertem Boden verhalten sie sich in der Stickstoffernährung den Zerealien
vollkommen gleich. Diese und andere nicht zu den Leguminosen gehörenden Kultur