schlagnahmten sie die deutschen Handelshäuser und
rissen den Handel an sich.
Der kleine deutsche Kolonialbesitz war also binnen
wenigen Wochen den Japanern und Engländern
zum Raube gefallen, wie das nicht anders zu er-
warten war. Die paar hundert Deutschen, die sich
dort aufhielten, hätten sich ganz nutzlos geopfert,
wenn sie ihr Schicksal mit den Waffen hätten wenden
wollen. Anders gestalteten sich die Dinge in den
großen Kolonien, die Deutschland in Afrika besaß.
Sogar Togo, die kleinste unter ihnen, leistete heftigen
Widerstand und konnte erst nach einem mehr-
wöchentlichen Kampfe unterworfen werden. Dabei
ist das Land, eingekeilt zwischen das französische
Dahome und die
englische Eold-
käste, sehr schwer
zu verteidigen,
und dem Gouver-
neur, Major von
Doering, standen
nur 400 Soldaten
zur Verfügung.
Der Uberfall
auf Togo durch
die Engländer
und Franzosen er-
folgte sehr schnell,
nur wenige Tage
nach der engli-
schen Kriegserklä-
rung an Deutsch-
land.Am Z.August
1914 bemächtig-
ten sich die Eng-
länder der Stadt
Lome, die Fran-
zosen nahmen
Anecho in Be-
sitz. Doering hatte seine ganze Macht bei Kamina
zusammengezogen, um die dortige Funkerstation
möglichst lange zu schützen. Gegen ihn setzten sich
die englischen und französischen Streitkräfte in Be-
wegung, wurden aber auf dem Marsche auf Ka-
mina mehrmals durch deutsche Truppen aufgehalten.
Es kam zu Gefechten bei Ehachue und Bafilo zwi-
schen Deutschen und Franzosen und bei Agbeluvhoe
und am Ehraflusse zwischen Deutschen und den verei-
nigten englischen und französischen Streitkräften. Am
Ehra hielten die Deutschen lange stand, mußten aber
schließlich das Gefecht aus Mangel an Schießbedarf
einstellen. Wohl wesentlich aus demselben Grunde
sah sich der deutsche Gouverneur gezwungen, den
aussichtslosen Kampf zu beenden und sich den Feinden
mit seiner ganzen Macht gefangen zu geben. Er
konnte es nicht erreichen, daß die Ubergabe mit Zu-
billigung militärischer Ehren geschah. Die Gefangenen
wurden unter Bewachung schwarzer Truppen nach
Atakpame gebracht und dort von den Negersoldaten
regelrecht ausgeplündert. Die französischen Offiziere
sahen dem gleichgültig zu. Der allergrößte Teil der
Deutschen, Männer, Frauen und Kinder, auch die
Missionare und Arzte, wurden in Lowe auf einen
englischen Frachtdampfer zusammengepfercht und nach
Dahome gebracht. Dort wurden sie von den Fran-
zosen erbärmlich behandelt und aufs jämmerlichste
verpflegt, wie denn auch die Franzosen überall in
den Kolonien, wohin sie kamen, aufs schamloseste
stahlen, raubten und plünderten.
Die Übergabe erfolgte am 26. oder 27. August.
Die beiden Raubgenossen teilten sich in die Kolonie,
wobei die Engländer, wie sich's gebührte, den Löwen¬
anteil erhielten. Sie gingen natürlich sofort daran,
dendeutschenHan-
del lahmzulegen,
und die Franzosen
folgten ihrem Bei-
spiele. Im Novem-
ber 1914 mußte
die „Deutschwest-
afrikanischeBank"
ihre Pforten schlie-
ßen,unddie„Bank
of British West-
afric" trat an ihre
Stelle. Womit der
Zweck der Übung
erreicht war.
Noch weit hef-
tigeren Wider¬
stand als in Togo
fanden die Eng-
länder und ihre
Verbündeten in
der großen deut-
schen Kolonie Ka-
merun. Die Deut-
schen hatten dort
eine Wehrmacht von etwa 1000 Weißen und an-
nähernd 6000 Schwarzen zur Verfügung. An Ar-
tillerie besaßen sie vier alte Kanonen. Gegen auf-
ständische Neger waren diese Geschütze eine sehr wirk-
same Waffe, gegen europäische Truppen, die mit
modernen Kanonen ausgerüstet waren, kamen sie
wenig in Betracht. Die deutsche Regierung scheint
niemals daran gedacht zu haben, daß die Kolonie
in die Lage kommen könnte, sich solcher Feinde er-
wehren zu müssen, obwohl sie ja von britischem, fran-
zösischem und belgischem Gebiet umgeben ist. Auch
daß nur geringe Mengen von Schießbedarf und Waf-
fen in Kamerun vorhanden waren, wies auf einen
bedenklichen Mangel an Voraussicht hin. Dies hat
die Verteidigung der Kolonien mehr als alles an-
dere erschwert und aussichtslos gemacht.
Die Kämpfe nahmen ihren Anfang an: 24. August
1914 und wurden eröffnet durch das französische Kano¬
nenboot „Surprise". Die Franzosen beschossen Ukoko
von dem Corisco-Berg aus und dann mit dem Panzer¬
Blick auf Dar-es-Salam.
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