Full text: Der Sammler 22. Jahrg. 1926 (1926)

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leidende Menschheit ist die von ihm begründete Malariabehandlung der Früh 
syphilis. Tausende von Menschen, denen das Unglück einer syphilitischen Infektion 
zugestoßen ist, werden durch diese Behandlungsmethode vor einem späteren 
Siechtume bewahrt bleiben. Seiner hohen wissenschaftlichen Begabung und seinem 
rastlosen Fleiße hat es Kyrle zu verdanken, daß er schon in sehr frühen Jahren 
(1918) zum Universitätsprofessor ernannt wurde und bereits einige Berufungen 
an ausländische Universitäten (Basel, Freiburg) erhielt. Er blieb aber der Wiener 
Klinik treu und sollte nun dafür belohnt werden, indem er als Nachfolger Prof. 
Riehls an der Wiener Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Vorschlag 
gebracht wurde. Gerade in diesem Zeitpunkte, vor dem letzten Schritte zum 
Gipfel seiner Erfolge, ereilte ihn die Todeskrankheit, ein schleichend beginnendes, 
in der letzten Zeit qualvolles Leiden, für ihn doppelt qualvoll deshalb, weil es 
ihn, den Arbeitgewohnten, der noch so viel Arbeit vor sich sah, zu einem un 
tätigen Zuwarten im Krankenbette verdammte. Die Bösartigkeit seiner Krankheit 
wurde ihm verheimlicht und so hat er glücklicherweise bis zu seinem letzte» 
Augenblick den Mut nicht ganz verloren. Um so mutloser waren seine Freunde, 
die größtenteils selbst Mitglieder der medizinischen Fakultät sind, die ihr bestes 
Können versuchten, um das wertvolle Leben zu retten, die aber bald einsehen 
mußten, daß hier jede ärztliche Kunst versagte. Als Kyrle am Abend des 
20. März seine Augen für immer schloß, waren sich alle einig in dem traurigen 
Empfinden: „Einer unserer Allerbesten ist von uns gegangen." 
Es war nicht nur Kyrles wissenschaftlicher Ruf, der ihm bei seinen Freunden 
und Gegnern die größte Hochachtung erwarb, sondern auch sein lauterer, gerader 
Charakter und sein zielbewußtes Auftreten auf akademischem Boden. Er war ein 
Vorkämpfer für die Freiheit der Wissenschaft und für die Deutscherhaltung der 
Wiener medizinischen Hochschule und sein frühzeitiges Hinscheiden wird auch 
aus diesem Grunde aufs tiefste bedauert. Als größten persönlichen Verlust aber 
empfinden wir, die ihm nahegestanden sind, den Tod eines ehrlichen, stets hilfs 
bereiten Freundes, dessen heiteres Temperament stets wohltuend auf den ganzen 
Kreis seiner engeren Gesellschaft gewirkt hat. Ein vorbildlich schönes Familien 
leben wurde durch seinen Tod zerrissen. 
Sein Begräbnis am Döblinger Friedhofe gestaltete sich zu einer rührenden 
Kundgebung der Verehrung, die dem Gelehrten und Menschen Kyrle von allen 
Seiten, insbesondere von seinen klinischen Kollegen entgegengebracht wurde. 
Prof. Dr. Finger beklagte am Grabe den schweren Verlust, den die Klinik durch 
das Hinscheiden des Mannes erlitten hat, der zu ihrer Führung bestimmt war; 
Prof. Dr. Arzt sprach Worte des Abschiedes im Namen der dermatologischen 
Gesellschaft; Prof. Dr. Eiselsberg, Präsident der Gesellschaft der Aerzte, betonte 
in einer herzlichen Grabrede die Verdienste Kyrles als Sekretär der Gesellschaft 
der Aerzte und als Schriftleiter der Wiener Klinischen Wochenschrift; Ober 
medizinalrat Dr. Kielhof dankte dem Dahingeschiedenen für seine selbstlose und 
zielbewußte Arbeit im Vereine deutscher Aerzte Oesterreichs. Präsident Dr. 
Dinghofer brachte dem durch den Tod entrissenen Freunde und Bundesbruder 
die letzten Grüße seiner Burschenschaft und warf ihm Kappe und Band in sein 
kühles Grab hinab. Vier Chargierte der Grazer Burschenschaft „Ostmark" und 
zahlreiche Chargierte der Wiener Burschenschaften gaben dem Sarge das Geleite 
und bekundeten die Trauer der deutschen Studentenschaft um den Verlust ihres 
hochgeschätzten Lehrers. 
Viele Wiener- und Provinzzeitungen widmeten dem Verstorbenen äußerst 
ehrende Nachrufe, darunter auch Blätter, deren politische Richtung mit der 
allbekannten treudeutschen Gesinnung Kyrles nicht im Einklänge stand; auch 
seine Gegner geben offen zu, daß in Kyrle ein Mann von hervorragender
	        

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