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Zu Formbach wurden die Klostergebäudc, sammt Brauhaus, Mühle, Mayer¬
hof, Gärten, Aeckern, Wiesen und Waldungen im Gesammt - Complexe verkauft
und von Franz Caspar von Pachmayer nm 60.000 Gulden erstanden. Von diesem
ging die Realität durch Heirat an den Freiherrn Eduard von Andrian-Werburg,
und hinwiederum von diesem durch Kauf an den Grafen von Joner über; seit 1858
besitzt sie der Banquier von Schäzler aus Augsburg, der den vormaligen Kloster¬
garten in einen Lustpark umwandeln ließ.
Die Klostergebände, keineswegs großartig und prachtvoll, doch solid und
zweigadig aufgeführt, bildeten in der Grundform ein trapezförmiges Ganzes,
welches durch Mitteltrakte in 4 nicht große Höfe abgetheilt war, und dessen Nord¬
seite durch die zweithürmige Stiftskirche abgeschlossen war.
schöne Kirche zerstört, wenn das Holz, Eisen und die brauchbaren Steine im Aufstriche höher als die
ganzen Gebäude anzubringen, oder letztere nicht zu profanem Gebrauche zu benützen waren. Auf
Monumente, Archive, Bibliotheken wurde keine oder äußerst geringe Sorge verwendet; nicht
einmal die Grabstätte der Wittelsbacher in der Klosterkirche zu Scheyern wurde geschont."
Vergleiche auch Bayern unter der Regierung des Ministers Montgelas. „Auf diese
Weise verschwanden in Bayern 1000, ja 1200 Jahre alte Stifter und Klöster, welche nichts
BöseS, wohl aber viel Gutes gethan und gestiftet haben."
Nicht einmal staatsökonomische Rücksichten konnten einige derselben, welche, wie z. B.
Formbach, St. Nikola, ihre Güter im Auslande hatten, retten, denn diese wurden von der
österreichischen Regierung, sammt den bei ihr angelegten Capitalien, ohne alle Last der Pen-
sionirung, die Bayern auf sich nehmen mußte, an sich gezogen. So wurde die in Unterösterreich
gelegene, zu Formbach gehörige Propstei Glocknitz als österreichisches Cnmeralgut eingezogen
und im Jahre 1826 verkauft. Die im Pfleggerichtsbezirke Schärding befindlichen formbachischen
Unterthanen und Liegenschaften wurden mit der Staatsherrschaft Schärding vereiniget.
Der Gewinn für den bayerischen Staat war daher nicht sonderlich groß. Der Klöster
in Bayern mögen allerdings etwas zu viel gewesen sein (7 Stifter, 18 Propsteien und 42 Abteien),
aber man hätte doch die im Auslande wohl begüterten erhalten sollen!
Sie waren zur Zeit, als sie aufgehoben wurden, in ökonomischer, wie in literarischer
Hinsicht, wirklich gute und nützliche Institute. In den meisten befanden sich große, Jedermann
zugängliche Bibliotheken, Pinakotheken, Glyptotheken, Herbarien, physikalische Kabinette, Seminarien,
in welchen junge Knaben unentgeltlich in den Wissenschaften und Künsten, besonders in der
Musik nicht nur gut unterrichtet, sondern auch ernährt wurden. Erst seit der Zeit, wo man ihnen
die gelehrten Schulen anvertraute, hat man kennen gelernt, daß in den Abteien nicht blos fromme
Faullenzer, wie man glaubte, sondern thätige, wissenschaftlich gebildete Schulmänner und Ge¬
lehrte und zwar vorzüglich bei der Akademie der Wissenschaften angestellte sich befanden und
daß durch dieselben nicht bloß in einigen Städten des Landes, sondern überall und allenthalben
Unterricht in Kenntnissen aller Art erworben werden könnte.
„Die bayerische Nation", sagt Westenrieder, „wurde seit Jahrhunderten allein von
ihrer Geistlichkeit erzogen und gebildet und von dieser der sie auszeichnende, eigenthümliche
Charakter ihr eingeprägt; dieser Charakter ist der eines festen, biederen, uralt deutschen Gehaltes
und berechtiget zur Erwartung alles dessen, was edel, gut und groß ist."
„Der Bayer ist seinem Regenten mit ganzen! Herzen ergeben, ist religiös und gottes-
sürchtig, und, wenn seit einigen Jahren auch hier eine Sittenlosigkeit nie gesehener Art zum
Vorschein gekommen ist, so ist daran wohl nicht das Dasein, sondern der Mangel geistlicher
Lehrer Schuld." A. Buchner's Geschichte von Bayern, X. Bd. S. 74, 76.