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wandern. Solche Stellen sind nicht selten und diese terrassen¬
förmig abgerissenen Partien, Äcker, Wiesengründe samt Bäumen
leicht erkennbar.
Der Südostwinkel des Schulsprengels verflacht sich am rech¬
ten Ufer der Gusen. Die ganze Talebene scheint ursprünglich ein
großes Seebecken gewesen zu sein, von dem auch in der Tat die
vielen kleinen Teiche mit Röhricht und die versumpften Wiesen-
grtinde zeugen. Aus tiefem Schlamm und Sand wurden unlängst
die Reste eines uralten, seltsam gebauten Kahnes ausgegraben; auch
führt ein in der Nähe gelegenes Häuschen noch den Namen „das
Fischerhäusl".
Durch diese Wiesengründe windet und krümmt sich die
Gusen mit einem äußerst abnormalen gekrümmten Lauf, regelmäßig
im Jahre die Gegend mit schäumigen, lehmigen Fluten über¬
schwemmend. Gegenwärtig ist aber eine Regulierung des Gusen-
baches auch in unserem Schulsprengel in Aussicht. An heißen
Sommertagen zerklüftet sich der Lehm- und Tonboden, wird hart
wie Stein und zeigt große Risse und Sprünge; dagegen an Regen¬
tagen sind Straßen und WTege fast ungangbar, ein lehmiger, toniger
Brei.
Im Nordosten liegt der Altaistberg; er ist ein kegelförmiger
bewaldeter Berg, die Kuppe mit moosigen Gesteinstrümmern bedeckt,
Überbleibsel der Burg Alt-Aist; die Heimat des liedergewandten
Sängers Dietmar v. Aist (1110—1170).
Zu nennen ist das anmutige Gusental, die Uferpartten der
Gusen sind aber häufig der Überchwemmung ausgesetzt.
Das Gebiet ist wasserreich. Es sind zu finden: die große
und kleine Gusen; beide vereinigen sich nordwestlich von Katsdorf
bei dem Orte Breitenbruck; die Gusen hat ihre Quellen bei Schenken-
felden und Reichenau im Bezirke Freistadt; ihre Mündung liegt
nahe bei St. Georgen.
Einige kleine Teiche mit grabenähnlichen Abflüssen, Über¬
bleibsel des einstigen ausgedehnten Seebeckens sind noch vor¬
handen. Der Lauf des Flusses ist äußerst gekrümmt und abnor¬
mal, daher die vielen Überschwemmungen.
Wiese, Wald und Äcker verteilen sich wie folgt: 76 Acker,
7« Wiesen, V« Wald.
Pferde und Rindvieh werden /ur Landwirtschaft verwendet; auch
Schweinezucht ist nicht unbedeutend. Für Bienenzucht ist die
Lage günstig, weshalb sie auch eifrig betriehen wird.
Die Obstbaumzucht ist bedeutend, meist jedoch wird nur Most¬
obst gezogen. Die häufigen Nachfröste und Niederschläge in dieser
Gegend wirken sehr nachteilig für diese Kultur und schädigen meist
die ganze Obsternte.
Vorherrschend ist die Landwirtschaft Von besonderem Be¬
lang ist hier der Weberkardenbau, dessen durchschnittliches Jahres-
Erträgnis beiläufig 50 Millionen Stück ausmacht und in die Tuch-
uimI Barchentfabriken nach Böhmen, Mähren, Schlesien, Sachsen,