Volltext: Produktionszwang und Produktionsförderung in der Landwirtschaft [Heft 5]

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feuchten Roggen, den Futterkartoffeln begnügen. Aber diese Unter 
schiede sind nur gradweise und fließend; sie schließen keineswegs den 
anderen Verwendungszweck völlig aus. So können Lagen entstehen, 
ivie während dieses Krieges, daß der Landwirt trotz verhältnismäßig 
hoher Preise sich weigert, die Kartoffeln zu verkaufen, und sie lieber 
als Futter verwendet; nicht aus besonderer Bosheit, sondern weil er 
für zugekauftes Futter mehr zu zahlen hätte, als er für die Kar 
toffeln bekommt. In dieser engen Verflochtenheit 
aller Zweige der Landwirtschaft liegt eine 
außerordentliche Schwierigkeit für jeden Ver 
such behördlich regelnden Eingreifens; denn 
jeder Eingriff an einer Stelle wirkt nicht nur 
auf diese, nicht nur im Sinne seiner Urheber, 
sondern durch die netzartige Verschlungenheit 
des Gesamtbetriebes auch auf ganz andere 
Stellen und oft in recht unerwünschter Weise. 
Der Vollständigkeit halber sei schließlich noch erwähnt, daß den 
drei Hauptbetriebszweigen (Landwirtschaft, Viehwirtschaft, gewerb 
liche Weiterverarbeitung) sich mehr oder weniger zufällig und ge 
legentlich noch weitere N e b e n z w e i g e wie Obstbau, Geflügelzucht, 
nicht selten auch Ziegelei, Fuhrwerksbetrieb und andere mehr an 
gliedern können. Das alles findet seine Einheit ausschließlich in der 
Person des Betriebsleiters. 
Auf dessen Schultern ruht die ganze Last: die Aufstellung des 
Betriebsplanes unter Berücksichtigung all der erwähnten Be 
dingungen, die Ausgleichung zwischen den verschiedenen Zweigen des 
Betriebes, die Anpassung an die wechselnden äußeren Zufälligkeiten, 
die Verfügung über die täglich und stündlich an anderen Stellen an 
zusetzenden Arbeitskräfte, ganz abgesehen von Beschaffung von 
Kapital, Kauf von Rohstoffen, Maschinen, Tieren, Verkauf der Er 
zeugnisse. In der Fabrik verläuft jeder Tag dem anderen gleich, 
in der Landwirtschaft hat jede Stunde ein anderes Gesicht. Während 
in der Industrie zwar nicht Enderfolg und Entwicklung, aber doch 
der normale Arbeitsverlauf einfach durch gewissenhafte Pflicht 
erfüllung innerhalb des fcstgeordneten Betriebes bedingt sind, ver 
langt die Landwirtschaft täglich neue Entscheidungen. So ist denn 
s e l b st im k l e i n st e n B e t r i e b e die Persönlichkeit 
des Unternehmers ausschlaggebend; vor; feiner 
Einsicht, seinen! guten Willen hängt alles ab. 
Das gilt für den kleinsten wie für den größten Betrieb. Die 
Bedeutung der Unternehmungsleitung im Großbetriebe ist allgemein
	        
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