Full text: Produktionszwang und Produktionsförderung in der Landwirtschaft [Heft 5]

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Vorgänge wie Kohlengewinnung, Eisenherstellung und Eiscnverar- 
beitung kennzeichnend. Aber abgesehen davon, daß es sich hier erst 
um eine neuere Entwicklung handelt, sind das Betriebe, die ein 
ander zwar ergänzen und vor allem auch kaufmännisch einheitlich 
verwaltet werden, die aber im übrigen ihre arbeitsteilige Selb 
ständigkeit durchaus bewahren und von ganz verschiedenen Fach 
männern geleitet werden. Der Direktor der Kohlengrube, wenn 
diese auch dem Hochofen das Rohmaterial an Brennstoffen unmittel 
bar liefert, wird die Leitung des Hochofenprozeffes sicherlich dem 
Eisenfachmann überlassen und umgekehrt. 
Die Landwirtschaft d a g e g e il i st bis zum 
k l e i n st e n Bauerngütchen herunter von Anfang 
an „gemischter Betrieb" gewesen und zwar ein 
solcher, bei deni jeder einzelne Teil lebens 
wichtig für jeden anderen war. Die Zahl der viehlosen 
Betriebe oder umgekehrt der Abmelkwirtschaften, die ganz auf zu 
gekauftem Futter stehen, ist im Verhältnis zur Gesamtzahl ver 
schwindend. Jeder Landwirt ist zürn mindesten zugleich Ackerbauer 
und Viehhalter, in den meisten Fällen hat er noch Wiese oder Weide 
und nicht selten Wald. Ackerbau und Viehzucht laufen aber nicht 
unverbunden neben einander her, sondern stehen im engsten Ver 
hältnis zu einander. Das Vieh ist die Maschine, mittels welcher 
der Landwirt die in seiner Wirtschaft gewonnenen Futtermittel 
(Hafer, Gerste, Kartoffeln, Rüben, Heu usw.) in höherwertige 
Nahrungsmittel oder industrielle Rohstoffe (Fleisch, Milch, Fett, 
Eier, Wolle, Häute usw.) umwandelt; umgekehrt aber ist das Vieh 
Lieferant des wertvollsten Stoffersatzmittels für den Acker, nämlich 
des Düngers, und zugleich als Zugkraft Produktionswerkzeug. 
Viehhaltung und Anbau müssen also auf ein 
ander a b g e st i m m t sein ; es ist nicht ohne weiteres möglich, 
das Rindvieh beliebig abzuschlachten oder zu verkaufen, weil dann 
Zugkraft und Dünger ermangeln und die Bodenbearbeitung un 
möglich gemacht würde. Auch die Verwertung des „Nurfutters" wie 
Heu und Rüben wäre dann unmöglich. Es kann aber auch umgekehrt 
die Viehzucht nicht aus eigenein beliebig gesteigert, muß vielmehr dann 
auf zugekauftes Futter gegründet werden. Endlich aber ist auch die 
Auswahl der Pflanzen nicht frei ins Belieben des Betriebsleiters 
gestellt; vielmehr muß (außer der schon erwähnten Rücksichtnahme 
auf Boden und Klima) noch die Fruchtsolge beachtet werden. 
Diese beruht ans der Tatsache, daß die verschiedenen Pflanzen den 
Boden sowohl nach seinem Nährstoffgehalt wie nach seinen physi-
	        
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