Full text: Rosenkranz und Raufeisen

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Rosenkranz und Rauschen. 
ist es oft in meiner Gerichtspraxis vorgekommen, daß 
Leuten, die sich bei recht gewaltigen Raufhändeln bethciligten und 
deßhalb arretirt wurden, zugleich mit den Raufinstrumentm Ro 
senkränze abgenommen wurden, welche beide Spuren often Gebrau 
ches an sich trugen. — Es war mir dieß stets eine sonderbare Sache 
und hat mich oft zu eigenthümlichen Betrachtungen geführt. 
Wie kommt es, dachte ich mir, daß dieser Mensch, der nun wegen 
grausamen, oft lebensgefährlichen Verwundungen seines Mitmenschen 
vor meinem Richterstuhle steht, dessen Gesicht die unzweideutigsten 
Spuren sittlicher Verkommenheit und Rohheit zeigt, der vor kurzer 
Zeit wie ein wildes Thier ausartete, gefesselt werden mußte und 
sich nun wegen seiner That zu verantworten hat, in demselben Sacke, 
in welchem er eine Art Mordinstrument herumträgt, — das In 
strument trägt, das ihm bei seiner Andachtsübung zuin Gebrauche 
dient? 
Hat er nie gedacht, daß diese zwei Dinge nicht zusammen 
passen , hat es ihn, wenn er Sonntags Vormittags in den Sack 
langte, um den Rosenkranz hervorzuziehen und er daneben das kalte 
Eisen spürte, nie im Gewissen gemahnt, daß er dieses schändliche 
Instrument von sich schleudern solle, — oder hat er etwa gar, als 
es ihm dabei unter die Finger kam, während er Kügelchen ans Kü 
gelchen vom Rosenkranz abbetete, schon in roher Lust an den Nach 
mittags im Wirthshause zu erwartenden Raufhandel gedacht, sich ge-
	        

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