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des Gutes, versorgen, und jeder Tochter eine Aussteuer
von einigen tausend Gulden geben zu können. Sehr
erfreulich ist es, im Allgemeinen wahrzunehmen, daß
bey diesem Wohlstande, dessen gewöhnlicher Gefährte —
oft auch sein Zerstörer — der Luxus, nicht in demselben
Grade eingerissen ist, wie bey den reichen Bauern in
einigen Gegenden des nördlichen Deutschlands, wo er
in der Kleidung und Möblirung besonders auffällt. Der
oberösterreichische Landmann hat selten eine bedeckte Ka-
lesche, trägt er auch einen feinern Hut und feineres Tuch,
als gewöhnlich seine Borältern, so bleibt er doch im
schnitt und in der Farbe dem alten Herkommen ziem-
iich getreu. Das wesentlichste Stück der Kleidung ist
ein langer schwarzer Rock, welcher sonst, wie der viel-
farbige, oft seidene Brustlatz, mit massiv silbernen Knö-
psen prangte, oder statt derselben mit angeöhrlten Gold-
oder Silbermünzen. Diese edlen Metalle sind in den
neuern , ihnen nicht günstigen Zeiten, zwar von den
Kleidern, wahrscheinlich aber nicht gänzlich verschwun-
den. Die Jungen dieses Standes bekümmern sich wohl
auch schon häusiger um die Mode. Das weibliche Ge-
schlecht, bis zu dem jüngsten Mädchen, kleidet sich in
dunkle Farben von verschiedenen Stoffen, jetzt größten
Theils Kattun. Auch dieß stimmt größten Theils mit
der Solidität überein, welche man, allgemein angenom¬
men , bey diesen Landbewohnern überall bemerkt. Die
Wohnzimmer sind gut, reichlich und beguem moblirt,
doch sieht man weder Ueppigkeit, noch die neuesten For-
men, welche mehr auf Eleganz, als auf Dauer berech-
net sind. Alles zeigt hier Dauer, Manches, daß es
schon lange gedauert hat. Meistens hat der Herr des
Hauses ein besonderes Zimmer für sich, worin sich nicht
selten eine kleine Sammlung nützlicher Bücher befindet.
Die andern besten Zimmer, mit guten Betten versehen,
find für Gäste bestimmt; denn Gastfreundschaft gehört