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Weibern und Hofkirchen trifft man die schönsten Leute, auch um Buchkirchen,
Wallern, Dachsberg, St. Thomas u. s. w. In den Niederungen längs der Donau
bemerkt man die verkrüppeltsten Gestalten. Im Mondseer-Gcbiete altern die Leute,
wegen der schweren Arbeit und schlechten Kost, schneller. Selbst junge Leute erschei¬
nen dort häufig mit Leibesgebrechen. Hohes Alter ist im Kreise nicht selten. 1804
starb ein Mann von 110 Jahren. In der Pfarre Scewalchen gibt es Biele von
90—k 00 Jahren. Die am häufigsten erscheinenden Todesarten sind Wassersucht,
Abzehrung, Entkräftung.
Die gewöhnliche Nahrung des Bürgers besteht in Rindfleisch, Schwein¬
oder Kalbsteisch, Kartoffeln und Sauerkraut. Der Landmann genießt meist Mehl¬
speise, an der Lust getrocknetes Schweinfleisch, Kartoffeln, Kopfkohl, Rüben,
Sauerkraut. Nur an festlichen Tagen erscheinen Braten, Krapfen u. s. w. In
den Städten trinkt man Bier, Wein und Cyder, auf dem Lande meist blos den
letzten und Wasser. Die Kleidertracht ist in den Städten und Märkten die allge¬
nieine städtische des Landes. Die eigentliche Bauerntracht besteht in einem niederen,
groben, runden Filzhut, schwarzem Halsflor, einer Art Wamms von grobem Tuche
oder Loden, kurzen Beinkleidern von Leder, einer blauen Leinwandschürze, weißen
Strümpfen und Schuhen oder Bundschuhen. Die Weiber tragen weiße, runde Filz¬
hüte über einer schwarzen, sogenannten Linzerhaube, braunes oder schwarzes Kopf¬
tuch von Seide, gleiches Halstuch, Korsett und Rock von dunklem Kattun,
Schürze von blauer oder weißer Leinwand, weiße oder blaue Strümpfe, und
Schuhe oder Bundschuhe. Die Feiertagstracht ist natürlich zierlicher. Da erscheint
der Bursche mit seinem schwarzen Filzhut mit hohem Gupf, weißem Halstuch, dar¬
über ein schwarzes von Seide, Weste von Seide mit Stickerei oder auch selbst
mit Goldschnüren oder silbernen Knöpfen, ledernem Gürtel mit weißer Stickerei,
Pantalons von Manchester, aufgerollter weißer Schürze, und Stiefeln von Kalbleder.
Das Mädchen zeigt sich mit feinem, weißen Hute mit Seidenfutter, schwarzer Lin¬
zerhaube mit Spitzen, Halstuch von Seide, kurzem Korsett von feinem Kattun
oder Seide mit schönen Schnüren, seiner Schürze, langem Unterkleid von gleichem
Zeuge, weißen Strümpfen, selbst von Seide, zierlich ausgeschnittenen Schliefschuhen.
Bei Hochzeiten und ähnlichen Feierlichkeiten find Hemden von Perkal keine Sel¬
tenheit mehr. Alles trägt Taschenuhren an großen silbernen Ketten.
In den meisten Bürgershäusern ist das Hausgeräth sehr niedlich und schön.
Ueberall nettes Schreinwerk, Kästen, Tische rc., nette Oefen, gute Betten. Auch
in vielen Bauernhäusern trifft man solche Spuren des Wohlstandes.
Jedes erfreuliche Ereigniß wird durch ein Gastmahl gefeiert, so Hochzeiten,