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Huterer und die Leinweber beschweren sich 1638, dass ihnen
nicht gestattet sei, Felle, Häute, Wolle und Gaden bei Strafe
der Confiscation in Baiern zu erkaufen, sie hätten durch die
spanische Soldateska Schaden gelitten und eine grosse Contri¬
bution zalen „neben disem allem zur noturfft in Eisserister
Still und haimblichkheit das getraidl erkhauffen, auf dem Puggl
herein tragen, verstandtne Forcht der Abnemung jedesmahlen be¬
sorgen miessen“ 1).
Die Zeche der Turner.
Nicht so sehr als bürgerliches Gewerbe, als als Kunstmetier,
das freilich auch des lieben Brodes willen und zwar einst viel
schwunghafter als jetzt betrieben wurde, kommt noch die
Turn er ei zu erwähnen.
Dass das Turnen schon im Mittelalter zu Obernberg eine
bedeutende Zeche gewesen sein müsse, beweist, dass in einer
reichersberger Urkunde ddo 31. März 1493 ein eigener Kaplan
der Turnermesse mit Namen Hans Aychinger erscheint.
Wer nicht zur privilegirten Turnerzeche gehörte, durfte
nicht aufspielen, wenn er sich nicht um einen Consens bewarb.
Die im Hochstifte Passau und an dessen Gränzen wohnenden
Spielleute mussten von altersher jährlich am Feste des heiligen
Ritters Georg am Georgenberg auf dem Oberhaus zu Passau
erscheinen, um beim feierlichen Gottesdienste ihr Spiel aufzu¬
machen und die Spielzettel auszulösen, ohne welche kein Musi-
cus bei Hochzeiten oder sonst in den Wirtshäusern des Bis-
tumes aufspielen durfte. Johann Franz Ciehan, verordneter
fürstlicher Hoftrompeter, Kammerportier und Spielgraf, und in
seinem Namen der Spielmann Georg Fischl vertheilte um 1676
die Spielzettel.
Da aber oft bairische Spielleute in den Markt Obern¬
berg gelassen wurden, gab es wiederholt Klagen von Seite der
obernberger Turner. Thomas Baumgartner Discantgeiger und
zwei seiner Mitbürger beschwerten sich beim Fürsten, dass sich
nicht allein bairische Spielleute zu Obernberg aufhalten, welche
keine bürgerlichen Lasten tragen, während sie Brunn-, Wacht-
') Act im allgemeinen Reichsarchiv zu München.