Volltext: Versuch einer landwirthschaftlich-topographisch-statistischen Beschreibung der Filiale Braunau im Innkreise

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steht hauptsächlich in Schweinefleisch und roggenen Knödeln, Erdäpfeln, 
Kraut, Milch und Mehlspeisen. Rindfleisch erscheint nur selten und wird 
nur an großen Festtagen ausgesetzt. Die Taglöhner und Häusler be¬ 
gnügen sich, besonders die ärmeren, mit Erdäpfeln, Mehl und Milch¬ 
speisen, und erstere erhalten, wenn sie bei den Bauern arbeiten, immer 
'die Kost und 12 kr. Lohn. 
Größe der Besitzungen, Dienstleute, Gewerbe, Handel. 
Der Grundbesitz ist zum größten Theil in den Händen der Bau¬ 
ern, und auch hierin sehr ungleich. 
Sie werden auch hier nach Größe des Besitzthumes eingetheilt, 
daher ein ganzer Bauer 40, ein halber Bauer 20, ein Viertel-Bauer 
zum wenigsten 10 Joch Aecker und Wiesen haben muß. Die Dienst¬ 
leute hält man nach der Größe der Besitzungen, nach der Lage der¬ 
selben und hauptsächlich nach den Vermögens-Umständen. Nicht aber 
allein der Bauer beschäftiget sich mit dem Ackerbau, sondern auch der 
Gewerbsmann sucht von seinem Grund und Boden nach Möglichkeit 
Nutzen zu ziehen. Eine nicht unbedeutende Anzahl von Gewerben befindet 
sich hier, und davon führe ich die hauptsächlichsten an: 
1 Baumwollgespunst - Fabrik, 1 Türkisch-Garn-Färberei, 1 Blei- 
stistfabrik, 1 Papiermühle, 7 Hammerschmiede, 1 Waffenschmied, 1 
Kupferhammer, 1 Buchdrucker-Schwärz-Erzeugung, *) 3 Eisen-, 4 Tuch¬ 
handlungen, 25 Hufschmiede 12 Krämer, 38 Müller, 11 Oelschläger, 
12 Sägemüller, 40 Schneider, 51 Schuster, 7 Steinmetzmeister, 24 
Täfern- und 12 Bierwirthe, 4 Töpfer, 2 Seifensieder, 16 Wagner, 88 
Weber, rc. — Der Handel mit Brenn- und Bauholz, Leinsamen, Ge¬ 
treide und Häuten, und besonders mit ersterem, ist sehr lebhaft. 
Pflanzenwelt, Pflanzen deö Ackerbaues. 
Die Hauptgattungen des im hiesigen Bezirke gebaut werdenden Ge¬ 
treides, sind Korn und Hafer. Weizen und Gerste findet man wenig, 
und nur in den besser gelegenen Pfarreien. Uebrigens sind sämmtliche 
Getreidearten gut, mehlreich und gewichtig. Die vielen Einkäufe Bai- 
ernS machen, daß die Bauern dieser Getreidegattungen nicht gehörig 
reinigen, sondern sie mit allem Unkraut und Afterkorn belasten, da die¬ 
ses beim Verkauf in der Preisbestimmung gar keinen Unterschied macht. (?) 
Kartoffeln werden, so wie Kraut, Flachs und Rüben, nur zum Haus¬ 
bedarf gebaut. Nebst dem Klee liefern die vielen natürlichen Wiesen sü¬ 
ßes und saueres Heu, und diese würden um so viel mehr Nutzen bie¬ 
ten, würden die hiesigen Bewohner es der Mühe werth finden, auf die 
Wiesenkultur, als die Basis der Landwirthschast, — mehr zu verwenden. 
*) Anmerkung der Red. Dieser technischeZweig wird von einem sehr intelligenten 
Mann, Herrn I. G. Breit, betrieben, und hat sich bereits einen guten Ruf ini 
Auslande erworben. Seine Buchdrucker-Schwärze wird bereits nach Frankfurt 
am Main und in die Schweiz, auch wohl sogar vom Auslande herein wieder 
im Kaiserstaate bezogen. Dasselbe zielt von der Bleistift-Fabrik des Hrn. Augustin.
	        
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