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der Niederschläge der Traunebene, sowie der westlich zwischen der Donau und Traun
gelegenen Hügelkette mehrfach vermengt und verändert wird, und, bis es in der Stadt
ankommt, eigentlich kein Traunwasser mehr ist, geht aus dieser Darstellung ein*
leuchtend hervor.
Eine noch grössere Veränderung erleidet dieses Grundwasser im Gebiete der
Stadt selbst.
Die grosse Menge von Abfall wässern, welche aus den einzelnen Häusern dem
Boden anvertraut wird, die undichte Beschaffenheit der vor Angriffnahme der Canali-
sirung bestandenen und theilweise noch bestehenden mangelhaften Canäle, die in vielen
Stadttheilen immer noch vorhandenen keineswegs wasserdichten Senkgruben, haben den
Untergrund der Stadt seit vielen Decennien mit Stoffen imprägnirt, welche sich dem
Grundwasser mittheilen, und eine permanente, nie versiegende Quelle der Verunreinigung
desselben bilden.
Mit vollem Rechte heisst es daher in dem Berichte der Wasserversorgungs-
Commission für die Stadt Wien vom Jahre 1864 S* *99 und 202: „Es ist nicht anders
möglich, als dass eine Wassermenge, welche unter einer grossen und dicht bevölkerten
Stadt langsam hinfliesst, und durch keine wasserdichte Zwischenlage von der Strassen-
oberfläche geschieden ist, eine sehr grosse Anzahl von Verunreinigungen in sich auf¬
nehmen muss. Dieses Grundwasser muss im Allgemeinen immer mehr oder weniger
den Charakter einer abfiltrirten Jauche an sich tragen.” Dass dem Boden der Stadt
Tanz die Eigenschaft, ihm anvertraute flüssige Stoffe gierig aufzusaugen, im eminenten
Grade innewohnen muss, wurde bereits oben bei Besprechung der geologischen Be¬
schaffenheit desselben erwähnt, und dass diese Voraussetzung keine bloss theoretische,
sondern eine thatsächliche ist, ergibt sich, abgesehen von dem weiter unten folgenden
Resultate zahlreicher Trinkwasser-Analysen, aus der directen chemischen Untersuchung
mehrerer Bodenproben, in denen die Producta der Verwesung stickstoffhaltiger
organischer Substanzen und ihrer Oxydation in mehr weniger hohem Grade nach¬
gewiesen wurden.
Die Verunreinigung des Bodens und die dadurch bedingte schlechte Beschaffen¬
heit eines Grosstheiles der Trinkwasser von Linz ist übrigens eine schon seit langer
Zeit bekannte Thatsache, und es wurden zu wiederholtenmalen Versuche unternommen,
diesem Übel stände abzuhelfen.
Als im Jahre 1867 von der damaligen Gemeindevertretung der städtische
Ingenieur Rudolf Linner von Graz nach Linz berufen wurde, um in unserer Stadt die
Abfuhr für Unrathstoffe nach dem in ersterer Stadt bestehenden Fass-Abortsysteme ein¬
zurichten, wurden zahlreiche Boden- und Brunnenuntersuchungen veranstaltet. Ingenieur
Linner fasste die Resultate dieser Untersuchungen in einer dem Gemeinderath© über¬
reichten und von diesem theilweise in Druck gelegten Broschüre zusammen, worin die
bedeutende Verunreinigung des Bodens der Stadt Linz mit in faulichter Zersetzung
begriffenen Stoffen, Einsickerung derselben in die Brunnenschächte, und als deren Folge
die Verderbnis der Trink wasser constatirt, und zugleich die Art und Weise der dagegen
zu ergreifenden Abhilfe ausführlich besprochen wird.
Als die zweckdienlichen Mittel werden, und zwar gewissermaßen als Vorarbeiten
zu der demnächst einzurichtenden Abfuhr der Fäcalien, unter andern empfohlen:
Die Führung eines Brunnencatasters, Einsetzung einer Brunnen - Inspectiotis-
Commission, und die Vornahme chemischer Proben der Linzer Trink- und Kochwässer.
Die Brunnen-Inspections-Commission wurde mit Sitzungsbeschluss des Gemeinde-
rathes vom 27. Mai 1868 ins Leben gerufen, und ein vom Ingenieur Linner verfasster
Instructionsentwurf mit einigen wenigen Abänderungen genehmigt.
Dieser Instruction gemäss sollten der Reihe nach sämmtliche Brunnen der Stadt
Linz in Bezug auf ihre Sohlentiefe, Wassertiefe, Temperatur, Härte des Wassers und all¬
fällige Verunreinigungen von aussen, sowie Einsickerungen in die Brunnenschächte, unter¬
sucht, die Ergebnisse dieser Untersuchungen in einem Brunnencataster eingetragen, und
die an den Brunnen Vorgefundenen Mängel durch directes Einschreiten beseitigt werden.
Die Commission bestand aus einem Mitgliede des Gemeinderathes als Vor¬
sitzendem, zwei Ärzten, einem Techniker und einem Brunnenmeister. Sie war vom
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