Full text: Zwey Predigten zum Abschied bey seiner gewesenen, und zum Antritt bey seiner gegenwärtigen Pfarrgemeinde zu Goisern und Pichel

Ihr seyd meine Freunde, sagt Jesus durch sein gan 
zes Evangelium hindurch, wenn ihr euch unter ein 
ander liebet. Darum ich auch meine Bitte damit 
ende: Werdet immer vollkommener in der Liebe 
gegen einander. Denn Lrebe, wie auch ein frommer, 
gottseliger Mann *) unserer Zeit sagt: Liebe ist un 
ser Leben, Liebe unsere Bestimmung, Liebe ist unser 
Heil, Liebe ist eigentlich das Einzige, was Gott von 
uns federt, denn die Erfüllung aller Pstichten streßt 
aus ihr. Oder daß wir auch hierüber die Worte des 
Apostels vernehmen: Seyd niemand etwas 
schuldig, denn daß ihr euch unter einan 
der liebet; denn wer den andern liebt, 
hat das Gesetz erfüllt. Rom. i3, 8. Doch 
die Zeit erlaubt es nicht, daß ich mich auch hierüber 
weiterverbreite. Ich schließe wiederhohlend: Seyd 
eifrig in dem, was zum Glauben/zur Religion, 
zum Gottesdienste gehört; trachtet überall in lebendi 
ger Hoffnung zuerst nach dem Reiche Gottes, und wer 
det immer vollkommner in der Liebe gegen einander. 
Und so möchte ich jetzt, wie es zum Theil schon 
geschehen, jedem unter euch zum freundlichen Will 
komm die Hand darreichen. Seyd mir willkommen 
ihr alle aufrichtig, herzlich willkommen. Und so sey 
mir auch du willkommen, du schöne, freundliche 
Kirche, die du uns auch durch deine Schöne einla 
dest, um so freudiger unsers Gottesdienstes zu pste- 
gen — hier in der Kirche für das Leben, und daß 
wir so unser Licht leuchten lassen, und der Vater ge 
priesen werde durch seinen Sohn Jesum Christum 
und in Kraft des heiligen Geistes. Amen. 
*) Stolberg in seinem Büchlein von der Liebe.
        

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