Vorwort.
Ich habe im Jahresberichte für 1889 des Museums Francisco-“
Carolinum, zugleich Gesellschaft für Landeskunde in Oberöster
reich in Linz a. d. Donau, angeregt durch Carl Hägens best
bekanntes Buch: „Deutschlands religiöse und literarische Verhält
nisse im Reformationszeitalter“ auf den Oberösterreicher Johannes
Bünderlin, einen den Wiedertäufern zugerechneten Sektierer des
16. Jahrhunderts, aufmerksam gemacht und in grofsen Zügen die
Gedanken, denen er in seinen Schriften Ausdruck giebt, sowie
deren Zusammenhang mit den religiösen und philosophischen
Ideen seiner Zeit darzustellen versucht. Dieser Versuch gab die
Anregung zu dem hiermit veröffentlichten Buche, in dem, soweit
dies die vorhandenen Quellen ermöglichen, die ursprüngliche Skizze
ausgeführt und vervollständigt wird.
Bei der Veröffentlichung dieser Arbeit, welcher eine sorg
fältige und gewissenhafte Benutzung einer umfassenden Litteratur
und zahlreicher noch ungedruckter Quellen — zum Teil im An
hänge veröffentlicht — vorausgegangen ist, leitet mich in erster
Linie das Bestreben, meine Landsleute mit einem Manne bekannt
zu machen, der die radikalsten religiösen Grundsätze seiner Zeit
in sich aufgenommen und zu einem System auszubilden versucht
hat, und ihnen eben damit ein Bild dieser Zeit und der Rück
schläge, Stimmungen und Ereignisse, unter denen sie sich in
unserem schönen Oberösterreich bethätigte, zu zeichnen.
Der Inhalt des Buches beschränkt sich auf jenen Zeitraum,
in welchem ich auf Grund des vorhandenen Quellenmaterials die
Schicksale Bündeiiins verfolgen konnte, zugleich den Zeitraum, in
welchem die Wellen der religiösen Bewegung in unserem Vater
lande am höchsten gingen.