Volltext: Wo stehen wir? [19]

zurück und drückte es wieder auf Österreich. Die beiden mittel¬ 
europäischen Kaiserstaaten blieben vereint, seit 1887 und 1891 
rückten Rußland und Frankreich, beinahe von Natur wegen, 
zueinander. Ich schildere Rußland nicht, seine Maffenhaftig- 
keit und seine innere Anfertigkeit, ich erinnere nur an das 
Entscheidende: an den Gegensatz des Moskowitertums gegen 
das Deutschtum; an die schrankenlos vorwärtseilende Aus¬ 
dehnungslust des Reiches; an das Lindrängen Rußlands zu 
den Meeren. Das alles hat immer wieder Rußland gegen 
uns gestoßen. And seit der japanische Krieg den russischen 
Ausgang nach Ostasien hin verstopft hatte, seit 1905, hat Ru߬ 
land sich von neuem auf den Balkan, aus Konstantinopel, auf 
Österreich, auf uns gekehrt, in entschlossener Sammlung. Wir 
kennen und empfinden den tiefen Gegensatz der Kulturen, der 
Gefühle, die Masse von Laß und Neid gegen unser Volkstum. 
Der letzte politische Grund freilich ist einfach unser Dasein als 
europäische Macht: dieses ist es, wodurch Österreich geschirmt 
worden ist. Neu hinzugekommen ist seit dem Iahrhundertende 
unsere Berührung mit der Türkei und mit Kleinasien: ein 
Ausfluß unseres neuen Weltbedürfniffes, unseres wirtschaftlichen 
Bedürfnisses nach Betätigung und erwerbender Arbeit in dem 
noch verfügbaren Stück unserer Erde, in Kleinasien und Meso¬ 
potamien. Die Bagdadbahn trieb uns zur Türkei hin, als 
der Lerrin jener Gebiete; der gemeinsame militärisch-politische 
Gegensatz gegen Rußland führte uns auch zur politisch-mili¬ 
tärischen Annäherung. And so begegnete Rußland uns auf 
einem Boden, den es für sein Machtgebiet und seinen Zukunfts¬ 
besitz zu halten entschlossen war. Es wollte uns dort nicht 
dulden; und seine eigene Bewegung ging ohnehin gegen uns, 
eben weil sie gegen Konstantinopel und deshalb gegen Wien ging. 
Ganz am neuen Deutschland haftet der Gegensatz Eng¬ 
lands gegen uns. Sie kennen ihn alle. Auch England hat 
unser neues europäisches Dasein vor und nach den Einigungs¬ 
kriegen ungern genug gesehen und hat uns immer Gegen¬ 
gewichte zu schaffen gesucht, seit 1864 und 1871; aber es war 
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