Volltext: Die Ukraine, der Lebensnerv Russlands [33]

reichischen Thron. Auch in späterer Zeit standen die Akraine 
und ihre Kosakenhetmane in militärischen und internationalen 
Beziehungen zu europäischen Staaten. Kaiser Rudolf, ferner 
die schwedischen Könige Gustav Adolf und Karl XII. fanden zu 
wiederholten Malen Anterstützung in der Akraine, und Karl XII. 
kämpfte zusammen mit dem ukrainischen Letman Zwan Mazeppa 
auf dem Schlachtfelde bei Poltawa gegen die russische Über¬ 
macht. Noch mächtiger als in politischer Beziehung wirkte 
aber der europäische Westen auf das national-kulturelle Leben 
des ukrainischen Volkes. Bereits im 16. Jahrhundert gingen 
zahlreiche junge ukrainische Gelehrte nach Westeuropa, um hier, 
an den berühmtesten Aniversitäten, zu studieren und die west¬ 
europäische Kultur und Wissenschaft von da in ihr Leimatland 
zu verpflanzen- Dank dieser Annäherung an den europäischen 
Westen entstanden auch im Laufe des 16. und 17. Jahr¬ 
hunderts zahlreiche ukrainische Schulen in der Akraine — wie 
z. B. in Luzk, Lemberg, Ostrog und Brest, ja sogar eine 
ukrainische Lochschule, die sogenannte Mohylansche Akademie, 
die sich den europäischen Aniversitäten jener Zeit würdig 
anschloß. Erst die brutalen Gewaltakte russischer Lerrscher 
haben dieser nationalen kulturellen Arbeit der Akrainer ein 
jähes Ende bereitet. Auch im 19. Jahrhundert, trotz äußerst 
ungünstigen Verhältnissen, hat das ukrainische Volk in Ru߬ 
land in der mächtigen „Schtunda-Bewegung" seinen An¬ 
schluß auf religiösem Gebiete an 'den europäischen Westen 
und zugleich seine Abneigung gegen das russifizierende 
„Prawoslavie" des heiligen Synods in Petersburg bekundet, 
und es hat die russische Regierung große Mühe gekostet, 
dieser, für das Moskowitertum gefährlichen, Bewegung Lerr 
zu werden. 
Die Akrainer unterscheiden sich eben von den Moskowitern 
unter anderem dadurch, daß sie sich stets und auf allen Ge¬ 
bieten dem Westeuropäertmn zu nähern trachten, während 
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