Auswärtige Probleme
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in mandschurische Eisenbahnfragen 1910 neue Nahrung und wurde
in Ualisornien zum zweiten Male akut durch dessen Verbot japani¬
schen Erwerbs von Grundbesitz 1913. Man hat auch Grund zur An¬
nähme, daß die Politik der Union gegen Mexiko seit 1911 von dem
verdacht gewisser Intrigen zwischen diesem Land und Japan diktiert
worden ist. Die hervorragende Rolle der Union bei dem großen di¬
plomatischen Schauspiel auf der Bühne Chinas ist nicht dazu geeignet.,
diese Reibung zwischen den Ufern des Großen Dzeans zu vermindern.
Vas Verhältnis zu Japan ist ohne Zweifel als der wichtigste und
wundeste Punkt in der heutigen internationalen Situation der ver¬
einigten Staaten von'Nordamerika zu bezeichnen.
Gegenüber dem europäischen Horizont nehmen die vereinigten
Staaten noch eine reservierte Haltung ein, und noch 1906 (beim Bei¬
tritt zur Algecirasakte) sprach man offiziell von der „traditionellen
auswärtigen Politik, die eine Einmischung in rein europäische An¬
gelegenheiten verbiete". Nichtsdestoweniger merkt man eine zuneh¬
mende Lust zu solcher Einmischung (die Judenfrage in Rußland 1903
und 1911), und sie kann natürlich auf die Dauer nicht von einer Macht
unterlassen werden, die in so bedeutendem Maße europäische Volks¬
elemente auf ihr Ronto übernommen hat. Im Herzen und in der
Wirklichkeit erkennt die große Union keine Grenze für ihre „respon-
sibility“ an — wie das Schlagwort für den Imperialismus hier lau-
tet —, wenn auch ihre Staatsmänner noch so enthaltsame Worte im
Munde führen.
Suchen wir die zerstreuten Züge dieses großen Reiches zu einem
einheitlichen Bilde zusammenzufassen, so können wir kaum einen
anderen Unterschied zwischen der Großmacht der neuen Welt und den
alten Großmächten machen als den des Entwicklungsgrades. Amerika
folgt auf der Bahn Europas nach. Mit Hawai, Portorico, Guam, den
Philippinen, Tutuila, die wie Jollen an ihr großes Schiff gekettet
sind, und Kuba, S. Domingo, Nicaragua und wohl bald auch Mexiko,
die in ihrem Fahrwasser folgen, zeigt die Union jetzt dieselben