Volltext: Österreich und England [2]

in sanitärer und in sportlicher Beziehung von England 
noch manches lernen können und sollen; es wäre auch töricht, 
nicht anzuerkennen, was England in technischer oder wissen¬ 
schaftlicher Hinsicht geleistet hat und es wäre unser größter 
Schade, wenn wir uns diesen Fortschritten gegenüber ego¬ 
istisch verschließen würden. Auch wäre es der größte Fehler, 
wenn wir jetzt aufhören würden, fremde Sprachen zu lernen 
und etwa wegen des Krieges die englische oder die französische 
Sprache aus unseren Lehrplänen ausmerzen wollten. Es war 
stets eine deutsche Tugend, von Fremden zu lernen und das 
Fremde anzuerkennen, nur haben wir zu oft darüber unsere 
Eigenberechtigung vergessen, unsere Würde verloren. Es 
ist geradezu Pflicht der deutschen Kultur, auch weiterhin den 
Austausch mit dem Fremden zu pflegen, nur dürfen wir da 
nicht in die frühere Einseitigkeit und Anverständigkeit verfallen. 
Der Krieg wird uns auch nicht hindern, nach Abschluß 
desselben wieder unsere Waren nach England zu verkaufen, 
oder englisches Kapital und englischen Unternehmungsgeist 
bei uns zu verwerten. Was uns aber bis jetzt gekennzeichnet 
hat, diese hündische Verehrung des Ausländischen — und dabei 
spielte England jedenfalls die erste Geige —, das muß in Weg¬ 
fall kommen. Wir müssen trachten, mit unseren Erzeugnissen, 
mit unserem Sportbetrieb den Engländern gleichzukommen. 
Wir müssen aufhören, das auswärtige Minderwertige 
für besser als das aus Österreich-Ungarn Stammende an¬ 
sehen und uns, wenn wir auch in irgend einem Zweige zurück¬ 
stehen, deshalb für minderwertig zu halten. Wir sollen gewiß 
nicht verhindern, daß englische Gäste unsere böhmischen Bade¬ 
orte oder die schönen Sommerfrischen in Tirol und im Salz¬ 
kammergut besuchen, aber wir werden gut tun, die scheue 
Verehrung, mit der wir jede englische Laune begrüßt haben, 
abzulegen. Sind die Engländer jetzt etwa im Kriege gewiß 
darüber erstaunt worden, was wir imstande waren, zu 
leisten, so sollten wir sie auch im Frieden zwingen, anzuer¬ 
kennen, was wir leisten können. Wir müssen ihnen zeigen, was 
wir wert sind. Verfehlt wäre es ja auch, wegen des gegen- 
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