129
Im Schlosse des Grafen Magyarossi
lag noch alles im tiefen Schlafe, ein
Teil der Dienerschaft ausgenommen.
Jlka, von allerlei
trüben Ahnungen be¬
unruhigt, war erst
gegen Morgen in einen
traumdurchzogenen
Schlummer verfallen,
der bis gegen neun
Uhr in der Frühe an¬
hielt und vielleicht
noch länger gedauert
hätte, wäre sie nicht
plötzlich in unsanfter
Weise emporgeschreckt
worden.
„Um Gottes und
allerHeiligen willen!"
rief die in das Schlaf¬
gemach Jlkas stürzen¬
de Kammerzofe.
„Was gibt es denn
Gisela, daß du mich
mit so viel Lärm aus
dem Schlafe schreckst?"
„Verzeihung, Kom¬
tesse, ich glaubte Sie
schon wachend zu fin¬
den ... ich habe eine
Nachricht zu überbrin¬
gen, die keinen Auf¬
schub leidet."
„Du quälst mich,
Gisela, sprich schnell,
was es eigentlich ist!"
„Ach, gnädiges
Fräulein, ich bin ganz
außer mir, der arme
Stephan, er war schon
als Student so ein
liebenswürdiger
guter Mensch, und
seine lange Krankheit
ist mir so ans Herz
gegangen —"
Er ist in die Ewig¬
keit hinübergegan¬
gen?" siel Jlka fragend ein.
„Das wäre bester gewesen, wenn
er in den Armen seiner Mutter hätte
sterben dürfen; aber sie haben ihn ge¬
fangengenommen und fortgeschleppt.
Sechs berittene Heiducken sind ge¬
kommen ; sie haben den armen, sterbens¬
kranken Mann auf einen offenen
Leiterwagen gepackt und sind mit ihm
davongefahren. Man hat es heraus¬
bekommen, daß er Rebellenführer ge¬
Mazedonischer Bauer mit seinem Büffelfnhrwerk.