Full text: Streifzüge im Gebiete der österreichischen Geschichte und Sage

vermehrte sich, er prahlte in allen Schenken und selbst auf 
offener Strasse und brachte die Österreichische Ritterschaft hie 
durch zuletzt buchstäblich in den Harnisch, — so dass zwei 
wackere Kämpen, die edlen Herr Sebastian von Losenstein 
und Herr von Hochenberg sich anschickten, mit dem spani 
schen Prahlhannse den Kampf einzugehen; der erstere war ein 
Oberösterreicher. 
Nachdem sie längere Zeit miteinander wetteifert hatten, 
welcher von ihnen zuerst die Streitaxt gegen den Spanier er 
hebe, entschieden sie sich dahin, dass Herr von Losenstein 
den Vorrang hiezu haben solle, weil der spanische Ritter seine 
Schimpfreden im Lande ob der Enns ausgestossen habe, der 
Herr von Losenstein aber in Oberösterreich begütert, somit 
auch zunächst verpflichtet sei, die Ehre des Landes zu ver- 
theidigen. 
So warf der Sebastian von Losenstein dem Spanier den 
Fehdehandschuh zu und dieser nahm ihn wie gewöhnlich mit 
höhnendem Uebermuthe entgegen. 
Erzherzog Ferdinand, dem die Kunde von diesem Kampfes- 
Vorhaben hinterbracht worden war, gab seine Genehmigung 
hiezu und der Festtag des Turniers wurde angeordnet. 
Mit grossem und prachtvollem Trosse zog der Spanier, 
bloss von einigen Landleuten begleitet der Losensteiner auf 
den Kampfplatz, welcher an jenem Platze, wo jetzt das stän 
dische Landhaus prangt, vorgerichtet war. Vier Reiter mit roth 
und weiss angestrichenen, die Landesfarben bezeichnenden 
Stäben ritten dem Losensteiner vor. Er trug an seiner Seite einen 
sogenanten »Beidenhänder« (d. i. ein gewaltiges Schlacht 
schwert, zu dessen Handhabung beide Hände gebraucht werden 
mussten), über dessen Grösse sich alles verwunderte, da man 
nicht einsah, wie er diese gewaltige Eisenmasse auf seinem 
Pferde handhaben werde; für letzteres hatte er einen Maulkorb 
bei sich und es war das Thier so abgerichtet, dass es, wenn
	        
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