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M- gehässigen Regungen widerstreben. Es giebt eine menschliche
estcn Empsindungsweise, die unwillkürlich der praktischen Menschen-
itnbc liebe dient: das ist die „Humanität", die Theilnahme an allem
) die Menschlichen, das für menschliche Leiden und Freuden offene Ge-
dene müth, das mit dem Chremes des Terenz sagt: „ich bin ein
tcn: Mensch; alles, was Menschen widerfährt, das trifft auch mich!"
das Wenn wir ein Herz für die Menschen fassen, so ist dieß die rich-
iläck tige Gemüthsstimmung, um das Wohlwollen zu unserer Maxime
der und das fremde Glück zu unserer Pflicht zu machen. Diese humane
den Empsindungsweise ist unabhängig von den vorübergehenden Wal
ken; lungen des Herzens; sie ist praktisch, nicht bloß ästhetisch oder
oth- empfänglich. Es muß von der praktischen Theilnehmung die pas-
it". sivc Empfänglichkeit für fremdes Wohl und Wehe unterschieden
Oer werden; die bloße Mitleidenschaft, das (freudige oder schmerzliche)
M- Mitgefühl mit fremden Zuständen hat in Kant's Augen kaum ei-
>en, neu sittlichen Werth. Von keiner Sittenlehre ist das Mitleid
sich und überhaupt die natürliche Sympathie verächtlicher behandelt
itt. worden. Die praktische hülsreiche Theilnahme gilt alles, das
es bloße Mitleid nichts. Bei Schopenhauer ist das Mitleid das
,ni) oberste sittliche Motiv, bei Kant ist es gar keines, es gilt ihm
aß- für eine bloß passive, gerührte, ohnmächtige Empfindung. Das
fremde Leiden steckt uns an. Das Mitleid ist nichts anderes als
eine solche Ansteckung, ein pathologisches, kein praktisches Gefühl.
Was Hilst es, wenn ich mitleide? Was Hilst es, wenn statt des
si- Einen, den das Uebel trifft, jetzt ihrer zwei leiden? Der Eine
chx leidet in Wahrheit, der Andere in der Einbildung. Wozu das
chr imaginäre Leiden? So erscheint in den Augen Kant's das Mit-
en leid als eine Verschwendung der Gefühle, als ein der moralischen
en Gesundheit schädlicher Parasit, den man sich hüten solle zu näh
ren. „Es kann unmöglich Pflicht sein, die Uebel in der Welt zu