Volltext: Lüttich-Namur [1]

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daß. zwar einzelne Reiterabteilungen in die Stadt eingedrungen 
waren, der beabsichtigte Handstreich aber nicht voll geglückt 
war. Nun war die erste große Maassestung in deutscher 
Hand, noch während die Aufmarschtransporte mit kurzer 
Zugfolge nach den Grenzen rollten. Die Freude in Deutsch¬ 
land war ungeheuer. Stürmischer wurden die Militärtransporte 
überall begrüßt, herzlicher war — wenn dies überhaupt noch mög¬ 
lich war — der Empfang auf allen Bahnhöfen; noch reichlicher 
flössen die an und für sich schon überreichen Liebesgaben. Hatte 
irgendwo vorher ein Kleinmütiger gezweifelt, ob der deutsche Soldat 
das auf ihn gesetzte Vertrauen in dem Riesenkampfe rechtfertigen 
würde, jetzt war es mit einem Schlage klar, und alle Bedenken 
waren geschwunden: Die deutschen Söhne würden Unerhörtes 
draußen leisten; sie würden Sieger bleiben gegen eine Welt von 
Feinden. Jeder im Vaterlande sah die Freudenbotschaft als glück¬ 
verheißend für den ganzen weiteren Verlauf des Feldzuges an. 
Unsere Feinde versuchten aus leicht begreiflichen Gründen mit 
allen Mitteln, uns den Erfolg zu verkleinern und dem deutschen 
Volke die Freude an dieser kühnen Waffentat zu nehmen. Die 
Franzosen wagten zu diesem Zwecke zu behaupten, daß wir nicht 
weniger als 20 000 Mann vor Lüttich verloren hätten. Der 
Generalquartiermeister sah sich infolgedessen später veranlaßt, amt¬ 
lich bekannt zu geben, daß wir „mit nur sechs schwachen Friedens¬ 
brigaden, etwas Kavallerie und Artillerie Lüttich genommen hatten. 
In Lüttich wurden die Regimenter erst mobilgemacht und erhielten 
als Verstärkung ihre eigenen Ergänzungsmannschaften. Unsere 
Gegner wähnten bei Lüttich 120000 Deutsche, die den Vormarsch 
wegen Verpflegungsschwierigkeiten nicht antreten konnten. Sie 
haben sich geirrt!" Diese falschen Berechnungen bei unseren Fein¬ 
den sind eine sich oft wiederholende Erscheinung geblieben. Sie 
haben immer gehofft, gefabelt und prophezeit; allzu schnell zer¬ 
stoben meist ihre Luftschlösser wie Seifenblasen. Um so tiefer war 
der Eindruck der deutschen Erfolge auf die Ententevölker, als 
die Wahrheit allmählich auch bis zu ihnen durchsickerte. Lüge und 
Phantasie können nicht Wirklichkeitswerte schaffen, wenn auch 
Tausende Leichtgläubiger sie zunächst für bare Münze nehmen.
	        
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