Volltext: Der Völkerkrieg Band 7 (7 / 1917)

112 Die Ereignisse an der Ostfront im dritten Kriegshalbjahr 
nächsten Kampftage stets das gleiche Bild — die Russen, denen außer dem Hochwasser 
die Zusammenpressung in dem engen. Raume zwischen ihren Festungen zugute kam, 
konnten diese zu dichter Besetzung ihrer Vorfeldstellungen von Dubno und Rowno aus 
nutzen und den hartnäckigen Widerstand mit energischen Gegenangriffen paaren. Die 
österreichisch-ungarischen Armeen hingegen hatten außerordentlich schwere Angriffe aus 
zuhalten — Jkwa und Plaszewka waren ausgetreten, die einzige große Straße von 
Krupiec-Michalowka auf Dubno war verschlammt und nur dadurch, daß die Armee 
Puhallo durch den Fall von Luck und das Eindrehen von Teilen längs der Straße 
Luck—Dubno den Kamps um den Jkwa—Styr-Abschnitt vermeiden konnte und so, 
von Nordwesten her die Verbindung mit Rowno bedrohte, wurden die Russen am 
8. September 1915 gezwungen, Dubno, den zweiten Stützpunkt des wolhynischen 
Festungsdreiecks, zu räumen, gleichzeitig mit dem Durchbruch der russischen Front bei 
Olyka. So fiel Dubno dank der Bedrohung durch die Armee Puhallo im Rücken, nur 
wenig beschädigt, in die Hände der Oesterreicher. Tatsächlich waren die Reiterscharen 
Kirchbachs von Nordwesten her überraschend in der Stadt erschienen, bevor die Werke 
und das Sperrfort, die nach Süden vorgeschoben liegen, gefallen waren. Auch diese 
Befestigungsanlagen wurden, wie die von Luck, nicht frontal, sondern von der Kehle 
aus erobert. Aber auch hier war das Artilleriematerial bereits fortgeschafft. 
Inzwischen drängte die Armee Böhm-Ermolli in Ausnutzung ihres gelungenen Durch 
bruches von Südwesten gegen Dubno vor. Gleichzeitig wurden in entscheidenden 
Kämpfen, im Quellgebiet des Bug, Sereth und Styr die Höhen von Makutra stürmend 
genommen, während sich der rechte Flügel in den Besitz von Podkamien setzte und den 
Feind vom Schloß Treuenfels vertrieb. In breiter Front gingen jetzt die Russen auf 
der ganzen Linie hinter die Jkwa zurück und gaben so Dubno auch im Süden auf. 
Nunmehr schwenkte die Armee Böhm-Ermolli nach Osten ein, um sich gegen den rechten 
Flügel der russischen Serethstellung wenden zu können, und gewann am 9. September 
die Jkwaniederung am Fuße der Berge von Krzemieniec." 
Nach dem Fall von Dubno trafen die vorgehenden Heere auf neue Abschnitte, die 
durch dichtes Unterholz und morastigen Untergrund zu hartnäckigem Widerstand be 
sonders geeignet, mindestens ebenso stark waren wie die Jkwa—Styrlinie. „Der Armee 
Puhallo gegenüber hatten sich," nach dem Berichte von F. v. B., im „Berliner Lokal 
anzeiger" (29. IX. 15), „die Russen an der Schlinge des Goryn-Fluffes, wo dieser die 
Putilowka und die Stubla (Stubiel) aufnimmt, festgesetzt. Südlich der Bahn und 
Straße Luck—Rowno diente ihnen ferner das Hügelland als Stützpunkt; die ganze 
Hügelkette, der die Stubla-Teiche und Sümpfe vorgelagert sind, und die zum Teil dicht 
mit Wald bestanden ist, war äußerst stark ausgebaut. Gegen diese den Werken von 
Rowno 10 Kilometer vorgeschobene Feldstellung richteten sich nunmehr vom 9. Septem 
ber an die Angriffe Puhallos, der ungeachtet der Geländeschwierigkeiten zwischen den 
Straßen von Luck und Dubno aus Rowno gute Fortschritte machte. Besonders hart 
näckige Kämpfe spielten sich am nördlichsten Flügel ab. Hier wurde eine Ueberstügelung 
hart am Südrande der unwegsamen Poljesje eingeleitet, durch Kräfte, die die Puti 
lowka überschritten, den rechten Flügel der Russen von der Hügelwelle bei Cuman 
herunterwarfen, Skregietowka nahmen und den Gegner, der noch versuchte, sich im Walde 
vor Derazno zu halten und sich in der Doppelschleife festzusetzen, über diesen Fluß 
fluchtartig zurücktrieben, bis endlich am 12. September der Hügel von Diukstn erobert 
und zahlreiche Gefangene gemacht wurden. Gleichzeitig wandten sich weitere Teile 
nördlich, um bei Biczal und Zdwieze den Goryn zu überschreiten. Inzwischen warf 
deutsche und österreichische Kavallerie, die als Flankendeckung der Armee Puhallo folgte, 
feindliche Abteilungen nördlich der Linie Luck—Kowel in die Sümpfe und Wälder der Poljesje.
	        
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