Volltext: Der Völkerkrieg Band 3 (3 / 1915)

248 Der S eekrieg bis zur Torpedierung der „Lusitania" 
gefallen ist, sondern auch als Verlockung zum Geldverdienen durch Verkauf unbe 
dingter Bannware. Amerika hilft England u. a. dadurch, daß es ihm Munition 
verschafft. Daraus folgt, daß Deutschland seinerseits eine solche Zufuhr verhindern 
muß, eine der Aufgaden der gewaltigen Zirkelblockade, die Deutschland, als Ant 
wort auf die englische Blockade der deutschen Nordseeküste, um das britische Insel- 
reich mittels seiner Unterseeboote hergestellt hat. Jedes Schiss, das Munition, 
Kanonenteile und ähnliches nach England führt, muß die deutsche Seemacht in 
den Grund zu schießen versuchen, da eine Einbringung nach deutschen Häfen nicht 
möglich ist. Die Gegenpartei gerät dadurch in Versuchung, als Geiseln Zivilpersonen 
mitzunehmen und sucht das Rechtsbewußtsein der Neutralen dadurch hinters Licht zu 
führen, daß sie im geheimen Banngut in einen Luxus-Passagierdampfer einlädt, dessen 
etwaige Torpedierung innerhalb der unkundigen neutralen Welt leicht Zorn und ethische 
Entrüstung erregen kann. Um den Transport der Banngutladung zu sichern, ist es von 
Wichtigkeit, daß so viele Zivilpersonen wie möglich die Fahrt mitmachen; auch gilt es, 
die Fahrgäste aus so vielen neutralen Ländern wie möglich zusammenzubringen. Deutsch 
land begriff rechtzeitig den kaltblütig geplanten Munitionstransport mit der „Lusitania" 
und warnte vor der Ueberfahrt mit dem Dampfer durch eine Bekanntmachung des deut 
schen Botschafters in den Vereinigten Staaten. Deutschland hat also durchaus offen und 
ehrlich gehandelt. Da griffen aber ein: teils die amerikanische Spekulationslust, teils die 
sich aus dem Munitionsmangel ergebende englische Notlage, und man traf kräftige Maß 
regeln in der Gestalt von Versicherungen, daß ein genügender seemilitärischer englischer 
Schutz für die ,„Lusitania" vorhanden sei. In verschiedener Weise kann man sich durch 
die Benützung von Zivilpersonen als Geiseln militärische Vorteile verschaffen. Eine 
angeblich von den Russen angewandte Methode besteht in der unmenschlichen Roheit,. 
vor einer Schützenlinie, die Gebiet gewinnen will, Frauen und Kinder vorzutreiben. 
Eine andere, ähnliche Art der Benützung ziviler Geiseln haben wir in dem gemeinsamen 
Auftreten Englands und Amerikas betreffs des Munitionstransports mit der „Lusitania" 
zu erblicken: hier wurden die Geiseln benützt, um England Patronen und Amerika Geld 
zu schaffen! So liegt grundsätzlich die Frage. Wenn die 6400 Munitionskästen der 
„Lusitania" je 1000 Patronen enthalten haben, bedeutet das 5 400 000 Schüsse oder — 
bei einer Treffwahrscheinlichkeit von drei Prozent den Tod von 160 000 Deutschen. 
In Wirklichkeit war also „Lusitanias" Aufgabe, diese gewaltige Todesziffer zu ver 
wirklichen. England ist in seinem vollen Recht, wenn es sich Munition zu schaffen sucht; 
das darf aber nicht durch ganz barbarische Mittel geschchen. Im Krieg wie im Frieden 
ist es verboten, Reisende mit Munitionstransportdampfern fahren zu lassen, und da 
Deutschland die Torpedierung im voraus kundgegeben hatte, kannte England genau das 
Wagnis, und es ist unfaßbar, daß es Reisende, die die Gefahr nicht kannten, in so rück 
sichtsloser Weise behandelt hat, wie es hier geschehen ist." 
Die Behandlung der gefangenen Unterseeboots-Mannschaften in England 
8. März 1915. 
Meldungen aus London besagen, die britische Volksstimmung verlange von der 
Regierung mit Ungestüm, daß die Offiziere und Mannschaften der deutschen Untersee 
boote, die von englischen Torpedojägern gerettet wurden, nicht als Kriegsgefangene, 
sondern als S e e r ä u b e r behandelt werden sollen. 
9. März. 
Mitteilung der britischen Admiralität: Seit Beginn des Krieges haben S. M. Schiffe 
alles getan, um deutsche Offiziere und Mannschaften der zum Sinken gebrachten Schiffe 
zu retten. Ueber tausend sind auch gerettet worden, oft unter schwierigen und gefähr
	        
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