236 Der Seekrieg bis zur Torpedierung der „Lusitania"
Kapitänen und Mannschaften der Fischereidampfer Belohnungen für die Ver
nichtung feindlicher Unterseeboote versprochen werden. Eine Belohnung von 1000 Pfund
Sterling wird dem Kapitän eines Fischerbootes ausgesetzt, der ein feindliches Untersee
boot in den Grund bohrt oder erbeutet, die gleiche Belohnung für einen Schiffer, der
Informationen gibt, die zur Versenkung oder Erbeutung eines feindlichen Kriegsschiffes
führen. Beträge von 500 Pfund Sterling werden ausgesetzt für Nachrichten über Be
wegungen feindlicher Schiffe. Die Privatunternehmer wollten nicht hinter der Regierung
zurückbleiben. Das Organ „Syren and Shipping" fetzte eine Belohnung von 500 Pfund
Sterling für den ersten britischen Kauffahrer aus, der ein deutsches Tauchboot versenkt,
und verschiedene Reeder erhöhten diese Summe aus 1160 Pfund Sterling. Ein anderer
Reeder namens Cardiff fetzte eine Belohnung von 500 Pfund Sterling für das zweite
Handelsschiff aus, das ein feindliches Unterseeboot vernichten würde.
Auch in Frankreich bemühten sich einflußreiche Kreise, die Anwendung der un
lautersten Abwehrmittel durchzusetzen. So wurde dem französischen Marineamt vorge
schlagen, für jedes von einem deutschen Unterseeboot versenkte Schiff der Verbündeten ein
deutsches Schiff zu versenken, von denen sich 278 in französischen Häsen befänden.
In der Tat haben denn auch englische Handelsdampfer verschiedentlich versucht, feind
liche Unterseeboote gegen alle Kriegsregeln durch Rammen zum Sinken zu bringen. Das
ist verschiedentlich von der englischen Presse bestätigt worden und ergibt sich auch aus der
nachstehenden halbamtlichen deutschen Mitteilung vom 7. März 1915. „Von der englischen
Presse ist die Nachricht verbreitet worden, daß der früher norwegische, jetzt englische
Dampfer „Thordis" am 28. Februar bei Beachy Head ein deutsches Unterseeboot, das
ihn angeblich angegriffen hat, gerammt und zum Sinken gebracht habe. Bei der Be
sichtigung des Dampfers im Dock seien wirklich Beschädigungen von Bodenplatten und
Schraubenflügeln festgestellt worden. Wie uns von zuständiger Seite hierzu mitgeteilt
wird, hat tatsächlich am 28. Februar ein Dampfer versucht, eines unserer Unterseeboote
durch Rammen zum Sinken zu bringen. Das Unterseeboot hat aber nur geringfügige
Beschädigungen erlitten und ist wohlbehalten nach seinem Ausgangshafen zurückgekehrt."
Durch die Ausrüstung der Handelsdampfer mit Geschützen sowie Maschinengewehren
und ihre Verwendung zu Angriffszwecken wie sie von der englischen Regierung
angeordnet worden war (vgl. IV, S. 280), wurde die Bemannung zu Freischärlern ge
stempelt; es steht daher völlig im Einklang mit dem Völkerrecht, wenn die deutschen
Unterseeboote den Kampf gegen die verkappten Angreifer rücksichtslos durchführten. Wie
hinterlistig englische Fischdampfer zu kriegerischen Zwecken benutzt wurden, ergibt sich aus
einer anderen halbamtlichen deutschen Richtigstellung vom 27. April 1915, die lautet: „An
läßlich der Meldung über die Versenkung des englischen Fischdampfers „St. Lawrence" durch
ein deutsches Unterseeboot am 23. April haben die „Times" die Nachricht verbreitet, der
Kommandant des deutschen Unterseebootes habe die Rettung zweier über Bord gesprungener
Leute der Besatzung des Dampfers nicht gestatten wollen, so daß diese ertrunken seien.
Hierzu wurde von maßgebender Stelle mitgeteilt: „Das deutsche Unterseeboot konnte aus
dem Verhalten des Fischdampfers, der zuerst mit hoher Fahrt auf das Boot zuhielt, dann
abdrehte, erkennen, daß er ein als Vorpostenboot dienendes Fahrzeug vor sich hatte. Es
zwang den fliehenden Dampfer durch Geschützfeuer zum Stoppen, woraus der größte Teil
der Besatzung sich in die Boote begab. Inzwischen ließen drei an Bord zurückgebliebene
Leute Brieftauben aufsteigen und winkten dann ihre Boote heran. Als diese in der Nähe
waren, sprangen die Leute über Bord, nur einer von ihnen wurde von den Booten
gerettet, während die beiden übrigen ertranken. Das Unterseeboot, das zu dieser Zeit
250 Meter vom Dampfer entfernt lag, hat in keiner Weise das Rettungswerk der Boote
beeinträchtigt. Die Behauptung der „Times", die inzwischen auch durch den Funken-