D i e Kämpfe in Ostpreußen
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chem Tage unsere Truppen, nunmehr schon ganz auf russischem Boden, W i z w i n h,
Kalwarja und M a r i a m p o l besetzten, hatte sich die Zahl der von den Truppen des
Nordflügels genommenen Geschütze auf siebzehn gesteigert. Die russische 73. und
56. Division waren bis zu diesem Zeitpunkte so gut wie vernichtet, die 27. Division war
aufs schwerste geschädigt.
Der vor derAngerapplinie und den Befestigungen von Lötzen gelegene Gegner
hatte inzwischen gleichfalls den Rückzug in östlicher Richtung eingeleitet. Nunmehr
schritten auch die in den deutschen Befestigungen bisher zurückgehaltenen Truppenteile,
aus Landwehr und Landsturm bestehend, zum Angriff gegen den weichenden Feind,
dessen lange Marschkolonnen von unseren Fliegern sestgestellt wurden. An diesem und
an den nächsten Tagen kam es an den verschiedensten Stellen zum Kampfe. Wiederum
wurden zahlreiche Gefangene gemacht.
Während aus der Gegend von Tilsit die Truppen des Generalobersten v. Eichhorn
bei Schnee und Eis in Gewaltmärschen auf S u w a l k i und S e j n y marschierten und
der rechte deutsche Heeresflügel sich über Grajewo auf Augustow Bahn brach, hatte die
Mitte der Truppen des Generals von Below mehrtägige Kämpfe in der Gegend von
L Y ck durchzuführen. Begünstigt durch die natürliche Verteidigungsfähigkeit der masuri
schen Seen, fetzte sich der Feind in den künstlich verstärkten und größtenteils mit Draht
hindernissen versehenen Engen hartnäckig zur Wehr. Hier wollte er sich um jeden Preis
behaupten, um der Masse seiner Armee die Durchführung des Rückzugs auf Suwalki und
Augustow zu ermöglichen. Der Feind, der hier seine besten — sibirische — Truppen ent
faltet hatte, die unter einer energischen Führung mit anerkennungswerter Energie
fochten, fühlte sich so stark, daß er an einzelnen Stellen aus den Engen der masurischen
Seen zum Angriff vorgegangen war und befestigte Stellungen bezogen hatte, die mehrere
Kilometer über den Lycker See in westlicher Richtung vorgeschoben waren. Die deutschen
Truppen hatten diese Stellungen am 12. Februar 1915 genommen; der Feind war auf
die Seeengen zurückgegangen. Er hielt nunmehr einerseits das Gelände, das sich zwischen
dem Laszmiadensee und dem Dorfe W o s z e l l e n erstreckt und andererseits die Engen
zwischen Woszellen und Lycker See. Für die deutsche Führung kam es darauf an, den
Zugang zur Stadt Lyck von Norden her zu öffnen. Die Besitznahme des Dorfes Wos
zellen mußte dabei von ausschlaggebender Bedeutung sein. Die zu diesem Angriff aus
ersehene Truppe bestand aus Landwehr und dem Füsilierregiment Nr. 33, während die
Truppen der Generale v. Falck und Buttlar die Engen selbst angriffen.
Diese Kämpfe um Lyck spielten sich vor den Augen des Allerhöchsten Kriegsherrn ab.
S e. MajestätderKaiser war am 13. Februar in Lötzen eingetroffen, um zunächst
jene Stellungen zu besichtigen, die seine Truppen — vorwiegend Landsturm und Land
wehr — in ununterbrochenen, drei Monate langen Kämpfen erfolgreich verteidigt hatten.
Am Nachmittag traf der Kaifer dann auf der Höhe westlich des Dorfes G r a b n i k ein,
an dessen Oftausgang die deutschen Geschütze donnerten, während die Infanterie bei
lebhaftem Gewehr- und Mäschinengewehrfeuer in fortschreitendem Angriffe gegen Wos
zellen lag. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgte der Allerhöchste Kriegsherr, an
dessen Aufstellungsort die Kaiserstandarte gehißt war, die einzelnen Phasen des Kampfes
bis zur einbrechenden Dunkelheit. Leichter Regen rieselte vom Himmel — die strenge
Kälte der letzten Tage hatte sich in Tauwetter verwandelt — als der Feuerkampf all
mählich einschlief. Nur um die Enge von Woszellen wurde noch weiter gekämpft und
diese am Abend vom Füsilierregiment 33 erstürmt. Kurz vor der Abfahrt nach Lötzen,
wo der Hofzug des Kaisers stand, konnte die Meldung von diesem Erfolge, der mit der