Full text: Album des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns

13 
witzig und lebhaften Geistes. Der Salzburger ist fromm und religiös im hohen 
Grade, vom Aberglauben nicht frei, fest, bis zum Vorurtheil am Althergebrach- 
teil hängend. Dem Landesherrn ist er treu und gehorsam. Als Jäger voll Much 
und Verwegenheit, ist er doch nicht eben der beste Soldat. Der Körperbau ist 
meist rüstig und kräftig. Leider ist der Kretinismus ziemlich häufig, und Lappen 
(Blödsinnige) und Feren (Trotteln, Kretinen, fast ganz des Verstandes beraubt), 
werden nur zu Viele gefunden. Reinlichkeit ist, besonders im Gebirge, nicht eben 
vorherrschend. Der Bauer des Gebirges kleidet sich von der Wolle seiner Herden. 
Er bereitet sich selbst den Loden grauer und schwarzer Farbe. In der Stadt 
ist die französische Tracht allgemein. Der Salzburger hängt mit eben der Liebe 
wie alle Älpler an dem Boden seiner Heimath. Nirgend ist ihm wohler als auf 
feinen Bergen, im Anschauen jener großen herrlichen Natur, deren Reiz er 
fühlt, ohne sich eben Rechenschast darüber geben zu können. Daß das Jntelli- 
genzvermögen der Salzburger nicht unbedeutend sei, beweisen die vielen ausge- 
zeichneten Männer in Kunst und Wissenschaften, welche aus diesen Bergen her- 
vorgingen. Fast in allen Fächern des Wissens und der Kunst zeigt Salzburg 
mit Recht geachtete Namen (das von Pillwein 1821 herausgegebene Künstler- 
lerikon von Salzburg liefert biographische Andeutungen über 354 Künstler), unter 
denen ein Name obenan steht, der für alle Zeiten der Bewunderung gewiß ist; 
Mozart ist in Salzburg geboren! 
Es fehlt in Salzburg nicht an eigenthümlichen Volksbelustigungen. Dahin 
gehört das Schifferstechen der Halleiner, der Schwerttanz der Halloren, das An- 
glöckeln, das Perchtenlaufen, das Aperschnalzen, Holztriften und Pirosseln, das 
Hofenrecken (Ringen) der Pinzganer und Pongauer. Kindstanfen, Hochzeiten, 
Leichenbegängnisse werden in allen Thälern mit eigenthümlicher Feierlichkeit be- 
gangen. Der Salzburger ist ein eben so geschickter als leidenschaftlicher Schütze. 
Das Scheibenschießen ist überall im Lande üblich, und selten wird ein Ort 
ohne Schießstätte gefunden werden. Das Eisschießen im Winter ist auch überall 
verbreitet. Kegel- und Kartenspiele, Wettlausen, Springen, Wettrennen mit 
Pferden, Ochsen und Hunden. Der Alpen-Auf- und Abtrieb ist auch ein eigen- 
thümliches Volksfest. Der Landmann in Salzburg nährt sich von den Produkten 
seines Bodens. Jener im Flachlande bereitet sich seine Speise fast durchaus von 
Mehl aus Weizen und Korn. Der Trunk ist Bier. Dagegen liebt der Gebirgs- 
bewohner mehr den Branntwein, besonders jenen aus der Enzianwnrzel. Vom 
Korne wird das feinste Mehl zum Kochen aufbehalten, das übrige fammt den 
Kleien zusam.mengeschroten, und das tägliche Brot daraus gebacken, welches
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.