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Kray hielt es nämlich, wie die östreichische Erzählung
sagt*), nicht für unmöglich daß Macdonald seinen An¬
griff gegen ihn richte und durch die Sprengung der Ein¬
schließung von Mantua eine Diversion zu bewirken suche,
die Suwarow über den Po zurückführe. Da nun, ob¬
gleich die Belagerung noch nicht angefangen war, das
Belagerungsgeschütz sich doch schon zur Stelle befand, so
glaubte Kray den General Macdonald jenseit des Po ge¬
nau beobachten und wo möglich einige Zeit aufhalten zu
müssen, um für die Zurückfendung feines Geschützes sor¬
gen zu können. Dies bestimmte ihn das Korps von
Hohenzollern noch gegen die Apenninen mit dem Befehle
abzusenden, dem Vorrücken Macdonalds so lange als
möglich zu widerstehen. Es befanden sich also nun etwa
18,000 Mann E)streicher gegen Macdonald, die aber in
drei von einander unabhängigen Korps von Bologna bis
Parma in einer Ausdehnung von 12 Meilen vertheilt
waren und die nicht bloß zur Beobachtung des Gene¬
rals Macdonald dienen, sondern auch nach Möglichkeit
Widerstand thun und die Einschließungen von Bologna
und Fort Urbino bis auf den letzten Augenblick fort¬
setzen sollten.
Suwarow selbst hatte mit der Nachricht von der
Ankunft Macdonalds eine andere falsche erhalten, daß
Moreau eine Verstärkung von 27,000 Mann aus dem
Innern erwarte, worin er durch das Zögern Macdonalds
noch bestärkt worden zu fein scheint. Er hielt unter die¬
sen Umständen ein Vorbrechen Moreauö gegen Alessan-
dria und Tortona für sehr wahrscheinlich, und da er
nun ohnehin auch gegen Macdonald des Weges ziehen
*) Neue Militär. Zeitschrift. Jahrgang 1812. 6. Heft, S. 61.