ternehimen werde; wenn überdies sehr viele geeignete Gelegenheiten
seitens Österreichs unausgenutzt geblieben sind, so schreibt die serbische
Regierung das auch der gemäßigten Haltung Deutschlands zu. Jagow
versicherte dem serbischen Geschäftsträger, daß Österreich einen Vor¬
wand zur Einmischung in die Balkanangelegenheiten sucht und daß
Rußland jetzt unter keinen Umständen für Serbien eintreten werde.
Nichtsdestoweniger ist der Feldzug nach Albanien mit bedeuten¬
den Kräften augenscheinlich endgültig beschlossen.
Nr. 854.
Der russische Geschäftsträger Strandmann, Belgrad,
an das Ministerium des Äußern in Petersburg.
Nr. 1212. Belgrad, den 12./25.September 1913.
Persönlich und ganz geheim. Aus den Unterhaltungen mit Spalai-
kowitsch bin ich zu folgendem Schluß gekommen: Die serbische Regie¬
rung beabsichtigt die innere Lage in Albanien dazu zu benutzen, um
1. eine Grenzberichtigung zu erlangen und 2. in dem neuen Nachbar¬
staate eine zu Serbien freundschaftlich stehende und nicht dem Einfluß
Österreichs unterliegende Regierung zu schaffen.
Zu diesem Zweck ist beschlossen worden, Essad Pascha in dem von ihm
begonnenen Kampf mit der Regierung von Valona möglichst zu unter¬
stützen, wofür Serbien im Falle des Erfolges entsprechenden Land¬
gewinn erhalten soll. Nachdem Spalaikowitsch sich davon überzeugt
hatte, daß ich diesen Grundgedanken der serbischen Regierung erfaßt
habe, bat er mich inständig, ihn ganz geheim zu halten und nicht
nach Petersburg mitzuteilen, da er fürchtet, daß ein Bekanntwerden
Serbien in eine überaus schwierige Lage bringen könnte. In seiner Er¬
regung teilte er mir einige Einzelheiten des obigen allgemeinen Planes
mit: Eine besondere Vertrauensperson fährt morgen aus Belgrad über
Saloniki und Athen nach Durazzo. Dem über keine Mittel verfügenden
Essad Pascha wird Geld geschickt werden und in militärischer Hinsicht
ist die vollständige Vernichtung und Vertreibung Ismael Kemals, Issa
Boletinaz und ihrer Freunde vorgesehen, worauf Essad Pascha selbst in
Valona als Generalgouvemeur eingesetzt werden soll. Letzterer, mit dem
die serbische Regierung schon seit einiger Zeit in Verbindung steht, ist
bereit, die Suzeränität des Sultans anzuerkennen, was seine Flagge mit
dem Adler und dem Halbmond beweist, und eine Grenzberichtigung mit
Serbien bis zum Schwarzen Drin nach dem Wunsche Serbiens vorzuneh¬
men; das abgetretene Gebiet werden die serbischen Truppen zur Auf¬
rechterhaltung der Ordnung auf Bitten Essads angeblich temporär be¬
setzen. Nach Festigung seiner Macht wird sich Essad zum Fürsten aus¬
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