spricht von den „Grundlagen des Friedens“, die in Bukarest gelegt wur¬
den. Der König bemerkte, der Erzherzog sei slawenfreund¬
lich und nicht gegen Serbien1).
Seine Majestät erzählte mir weiter, er habe dem Prinzen Fürstenberg
seinerzeit auf einem Rennen in Bukarest ganz kategorisch erklärt, daß*
er ein großes Bulgarien nicht dulden*) und gegebenenfalls mit Serbien
gegen Bulgarien vorgehen werde**). Der Gesandte sei hierüber sehr be¬
stürzt gewesen und habe den Botschaftsrat Baron Haymerle unverzüg¬
lich nach Wien entsendet. In Wien habe man aber erklärt, für Öster¬
reich-Ungarn sei ein „Großserbien“ unmöglich, daher müsse***) man
mit Bulgarien gehen****).
Waldburg.
Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.:
*) Ganz natürlich.
**) habe ich auch an den Zigeuner neulich gesagt.
***) 11
****) jann -werden die beiden sobald nicht Zusammenkommen! Ich gehe mit1
Rumänien.
Nr. 849.
Legationsrat von Storck an Graf Berchtold.2)
Telegramm. Belgrad, 2a. September 1918.
Einer meiner Kollegen erfährt aus verläßlicher Quelle, daß die Serben
alle strategischen Punkte in Albanien, die kürzlich geräumt worden
waren, wieder besetzt hätten.
x) Über die rumänenfreundliche Gesinnung des Erzherzogs-Thronfolgers vgl. Ottokar
Czernin, Im Weltkriege, S.ioöf. In der Stellungnahme zu dem Frieden von Bukarest
harmonierte Erzherzog Franz Ferdinand ganz mit der Auffassung, die Kaiser Wilhelm
in dem Telegrammwechsel mit dem Könige von Rumänien vom 8. August an den Tag
gelegt hatte (vgl. dazu Bd.XXXV, Kap. CCLXXVI); jedenfalls schrieb der Erzherzog,
während Graf Berchtold nur mühsam seine Empfindlichkeit über den Telegrammwechsel
verbarg, Anfang September dem Kaiser, daß er sich mit dessen Politik vollkommen
identifiziere (vgl. Kap. CCXCV, Nr. 16709). Gerade aus ihrer Wertschätzung Rumä¬
niens heraus legten beide Fürsten das höchste Gewicht auf eine möglichst feste An¬
lehnung Rumäniens an den Dreibund. Kaiser Wilhelm II. ließ sich darüber während
der Kaisermanöver im September igi3 gegen den österreichischen Generalstabschef
Conrad von Hötzendorf aus. Nach dessen Darstellung (Feldmarschall Gonrad, Aus
meiner Dienstzeit, III, 43if.) war es Conrad selbst gewesen, der die rumänische Frage
anschnitt: „Ich wies auf die Notwendigkeit hin, Rumänien zu bindendem Anschluß
an den Dreibund zu bringen, und fügte bei: „Es ist dem französischen und russischen
Gesandten in Bukarest gelungen, dort einen Umschwung gegen uns herbeizuführen, wir
werden nicht so bald wieder das rumänische Volk auf unsere Seite bringen, aber wir
erwarten, daß es von deutscher Seite gelingt, Rumäniens Anschluß zu sichern. Bloße
Versprechungen Rumäniens würden allerdings nicht genügen.“ Darauf hatte Kaiser
Wilhelm erwidert: „Nein! Rumänien muß dem Dreibund mit denselben Kautelen bei¬
treten wie die anderen Alliierten. Das ist eine gute Idee! Wir müssen es betreiben.“
2) Österreichisches Rotbuch 1912, Nr. 874, S.438.
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