Full text: Die Handschriften der öffentl. Studienbibliothek in Linz

Ueber den ältesten Bestand an Handschriften des Zisterzienser-Stiftes Baumgartenberg (1144 - 1784) unterrichtet ein schon erwähntes Verzeichnis aus dem 13. Jahrhundert, das 96 Nummern aufzählt. (1) 
Abt Rapoto (1287 - 1298) liess im Jahre 1293 im Stifte Gleink einen dort befindlichen 
Rusticanus Bertolds von Regensburg abschreiben (2). Eine Notiz auf Bl. 137 der Kopie (Hs. 14) sagt: dictum librum apud cenobium Glunich mea industria comparatum ad supplendum inopiam librorum dicti mei monsterii obtuli. Wenn der Hinweis auf die inopia librorum nicht blosse Redensart ist, muss man schliessen, dass der am Ende des 13. Jahrhunderts vorhandene Büchervorrat, der seit der Abfassung des Verzeichnisses das erste Hundert wohl überschritten hatte, nach Ansicht des Abtes und des Konventes zu gering war. Grosse Verluste erlitt 
das Stift durch die Hussiten, wie aus einem Ablassbrief (3) von 1442 hervorgeht, und wenn auch darin die Bibliothek nicht ausdrücklich erwähnt wird, so ist doch mit grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass auch Handschriften damals zugrunde gegangen sind. 
Die Bibliothek wurde nach der Aufhebung des Stiftes vom Hofriclhter sogleich nach Linz überbracht. Aus dem am 10. Aug. 1786 nach Wien geschickten Katalog wurde eine grössere Anzahl von Handschriften und 
Drucken zur sofortigen Einsendung an die Hofbibliothek befohlen. (4) 
 
(1) Abgedr. in E. Steinmeyr u. E. Sievers, Die ahd. Glossen, 4. Bd., Berlin 1898, S. 489 f. 
(2) Die Ansicht Schönbachs in WSB., 151. Bd., S. 81, Abt Rapoto habe den als Vorlage benutzten Gleinker Kodex gekauft und dann überdies abschreiben lassen, kann ich aus der erwähnten Notiz nicht herauslesen. 
(3) Abgedr. bei F. Kurz, Beiträge zur Geschichte des Landes Oesterreich ob der Enns, 3. Tl., Linz 1808, S. 441. 
(4) Hittmair a. a. O., S. 166.
        

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