Was nun tun? Ein kurzes Telephongespräch, und die
beiden Unteroffiziere werden freigelassen* Oberleutnant
Pivko geht zu seinen Chargen auf den Beobachtungsstand.
Fragende Blicke empfangen ihn. Er schüttelt kaum merk-
lieh den Kopf: Nichts. Und dann beginnt er über das
Vorfeld am Masobach zu sprechen. Die andern hören
ihm zerstreut zu. Hin und wieder tastet einer nach
den Taschen seiner Bluse — jeder trägt neben Sturm¬
messer und Pistole zwei Handgranaten bei sich . . .
3.
Die Nacht vom 13. auf den 14. September 1917,
die kritische Nacht, für die nach den Aussagen des
Koches Urban Verrat und Ueberfall angesetzt waren,
verstreicht* ohne daß sich etwas ereignet hätte. Major
Lacom ist nun völlig überzeugt, daß es sich tatsächlich
nur um eine Wahnidee gehandelt habe. Drei weitere
Tage vergehen — im Tagebuch des Bosniakenbataillons
ist nichts Außergewöhnliches verzeichnet. Am Abend des
17. schlagen drei schwere Granaten kurz nacheinander
vor der Stellung am Masobach ein. Dann wird es dun¬
kel. Bei der Feldwache oberhalb von Spera brennt wie
immer weißes Licht — das Signal „Alles in Ordnung.“
Grün bedeutet „Achtung!", rot „Gefahr im Verzüge!"
Aber jetzt ist die weiße Laterne ausgehängt, und Major
Lacom begibt sich nach einem letzten Rundgang zur Ruhe.
Daß zur gleichen Stunde Oberleutnant Pivko und seine
Mitverschworenen schon reisefertig sind, daß über dessen
Befehl die Starkstromhindemisse ausgeschaltet wurden,
weil angeblich Leute der Elektrokompanie draußen ar¬
beiteten, ahnt der Major nicht.
Gegen Mitternacht aber erwacht er, von einer rätsel¬
haften Unruhe gepeinigt, blickt durch das Fensterchen
seines Unterstandes hinüber zur Feldwache bei Spera.
Das Licht ist weg!
Major Lacom springt auf, stürzt hinaus zum Artil¬
leriebeobachter. Der Leutnant sitzt vor seinem Tisch¬
chen, den Kopf in der Armbeuge, und schläft. Als ihn
Lacom wachrüttelt, schauen ihn zwei halbgeschlossene
Augen wie geistesabwesend an — vergiftet, mit Mor¬
phium betäubt!
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