Full text: Alpenkrieg

Milizregimenter marschieren ab, und die Straßen sind 
wieder voll Gedränge, Fluchen, Staub und Widerwär¬ 
tigkeit. 
Aber dann tritt Ruhe ein — die atembeklemmende 
Ruhe vor dem Sturm . . . 
3. 
Axtschläge hallen, Bäume stürzen krachend nieder. 
Allenthalben entstehen Hütten und leichte Unterstände, 
es riecht nach Harz und Lohe, nach Holzfeuer und 
Teerpappe. 
Vor wenigen Tagen erst hat Kaiser Franz Josef den 
unbeschränkten Ausbau der Befestigungen im Südwesten 
befohlen. Bis dahin wurde immer Vorsicht gepredigt 
und allen Leuten eingeschärft, ja den früheren Bundes¬ 
genossen nicht zu provozieren. Italien, so hieß es, sucht 
nach einem Vorwand zum Losschlagen. Dieser Vorwand 
darf unter keinen Umständen gegeben werden. 
Was überhaupt möglich war, ist geschehen. Eine 
„Linie" zieht sich vom Ortler bis zur Adria, freilich 
an den meisten Stellen vorerst nur auf der Karte; und 
an anderen im Gelände nur schwach markiert, mit wenig 
Geschick und ohne Erfahrung angelegt. Die Männer, die 
diese „Stützpunkte" bauen, waren voll des Eifers und 
der Hingabe, stammten vielfach aus den Ländern, die 
es zu schützen galt, aus Tirol und Kärnten. Gleich den 
Aerzten, die man nach den Verlusten in Rußland und 
Serbien eiligst zur Dienstleistung einberief, hatten die 
meisten dieser Landsturm-Ingenieure und -Baumeister 
an der Südwestfront keine militärische Ausbildung, ge¬ 
schweige denn nennenswerte Kenntnisse in der Forti- 
fikation. Man gab ihnen Pläne, die in jagender Hast 
entworfen waren, und sie begannen ihre Tätigkeit. 
Eisenschienen, Zement, Wellblech, Stacheldraht — 
alles das gab es nur in kläglichen Mengen. Landsturm¬ 
arbeiter, in Südtirol vielfach italienischer Nationalität, 
Weiber, halbwüchsige Burschen und Mädchen aus den 
Grenzdörfem bauten an den Stützpunkten und Draht¬ 
verhauen. 
Von felsgesprengten Gräben und Kavernen, die allein 
den Gebirgskrieg erträglich gestalten, mußte mangels an 
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