Full text: Das Bild als Waffe

Landsmann A p a (Felix Elias B r a c o n s) von der ebendort erscheinen¬ 
den IBERIA, sowie die Holländer Johann Braakensiek vom 
WEEKBLAD VOOR NEDERLAND, Jan Sluiters vom NIEUWE 
AMSTERDAMMER und der Sozialist Albert Hahn vom NOTEN- 
KRAKER. 
Neben der Wiedergabe deutschfeindlicher Zitate aus der verbündeten 
und der neutralen Presse bediente sich die französische Propaganda schon 
sehr bald und mit großem Erfolg deutscher Bildsatiren, und zwar so¬ 
wohl solcher, die schon in den Vorkriegsjahren erschienen waren, als auch 
aktueller. 
C. Deutsche. 
Richtunggebend war hier der MATIN mit seinen «Tetes de boches, 
Les Allemands peints par eux-memes» 249, der — einer von Grand-Car- 
teret in der GUERRE SOCIALE gegebenen Anregung 97 folgend — die 
in dem publizistischen Kampf gewisser deutscher Witzblätter gegen den 
sogenannten preußischen Militarismus als Waffen verwendeten Karika¬ 
turen hervorholte und sie in französischem Sinne verwertete. Reiches 
Material lieferte der Münchener SIMPLIZISSIMUS; er ist das von der 
französischen «propagande ä rebours» meistzitierte Blatt. Die künstlerische 
Eigenart seiner Karikaturen, deren Wirkung auf Roubille wir bereits 
kennenlernten, konnte nur zur Erhöhung des propagandistischen Wir¬ 
kungsgrades dienen. 
Man ging noch weiter. Es gibt eine Radierung von Lobel-Riche, 
«Sous la main du destin, Dieu aveugle ceux qu’il veut perdre», die mit 
einigen Veränderungen das Bild Franz v. Stucks „Der Kriegcc wiedergibt. 
Aus dem barbarischen Ungeheuer des deutschen Malers, das den Schrecken 
des Krieges an sich versinnbildlichen soll, ist ein Symbol des deutschen 
Imperialismus geworden. 
Die vom «Service de la propagande aerienne» unter Leitung Hansis 
in deutscher Sprache redigierten und zur Propaganda unter den deutschen 
Soldaten an der Front bestimmten periodischen Pamphlete FELDPOST 
und KRIEGSBLÄTTER brachten des öfteren retuschierte oder original¬ 
getreue Bildzitate aus deutschen Witzblättern, an erster Stelle aus dem 
SIMPLIZISSIMUS, dann aber auch aus dem KLADDERADATSCH 
und den LUSTIGEN BLÄTTERN. Es handelte sich meist um humo¬ 
ristisch-satirische Darstellungen des Hungers in Deutschland, der Kriegs¬ 
gewinnler (vgl. Abb. 9), der Neureichen, der Teuerung usw. Wie Hansi 
berichtet, wurden dem SIMPLIZISSIMUS wegen dieser Materialliefe¬ 
rung an den Feind von den deutschen Rechts- und Zentrumsblättern die 
heftigsten Vorwürfe gemacht 25°. 
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