Full text: Das Bild als Waffe

Künstlervereine 
Die hervorragende Stellung, die den französischen Zeichner-Journa¬ 
listen in fast der gesamten Tagespresse und vielen Zeitschriften einge¬ 
räumt war, verdankten sie zu einem nicht geringen Teil ihren Berufs¬ 
organisationen 232. 
1904 gründeten Leandre, Louis Morin, Neumont und Abel Truchet 
die «Societe des dessinateurs humoristes», unter deren Mitwirkung Felix 
Juven, der Direktor des RIRE, drei Jahre später den ersten Salon der 
Humoristen eröffnen konnte. 1910 spaltete sich der Verein; die neue 
«Societe des artistes humoristes» unter ihrem Präsidenten Abel Faivre 
stellte im Palais de Glace aus, während die «Dessinateurs Humoristes» 
unter Forain in die Galerie La Boetie zogen. 
Unter dem Eindruck der Union Sacree vereinigten 1915 beide Organi¬ 
sationen ihre Salons und beschlossen am 4. Mai 1920 ihre vollständige 
Fusion unter der Präsidentschaft Forains. 
B. Ausländer. 
Die französische Bildpropaganda hat sich nicht auf französische 
Künstler beschränkt oder auf solche, die in Frankreich ihre dauernde Hei¬ 
mat hatten. In stärkstem Maße zitierte man satirische Bilder aus der Presse 
der verbündeten Nationen, vor allem der angelsächsischen, und 
der neutralen Länder, soweit sie in den Rahmen der eigenen Agi¬ 
tation hineinpaßten. E i n Künstler vor allem ist durch den Propaganda¬ 
apparat der Entente — und nicht zuletzt durch Frankreichs Mithilfe — 
zur Weltberühmtheit emporgehoben worden: Louis Raemaekers. 
Dieser Holländer war der Hetzbildzeichner des Weltkriegs. 
Raemaekers stammt aus dem Städtchen Roermond im holländischen 
Limburg, wo sein — übrigens auch sehr frankophiler — Vater eine kleine, 
liberale Zeitung herausgab. Er besuchte die Akademien zu Amsterdam 
und Brüssel und lebte später als Bildnis- und Landschaftsmaler in 
Haarlem. 1904 begann er, politisch-satirische Zeichnungen im ALGE- 
MEEN HANDELSBLAD zu veröffentlichen, darunter schon unfreund¬ 
liche Kommentare gegenüber Deutschland in der Agadir-Frage und anlä߬ 
lich der Grenzverletzungen durch deutsche Flieger. Nach Kriegsausbruch 
erschienen seine Zeichnungen im weitverbreiteten Amsterdamer TELE- 
GRAAF, der sich durch eine besonders krasse, deutschfeindliche Haltung 
auszeichnete. Die englischen und französischen Propagandastellen, auf 
das große propagandistische und zeichnerische Talent Raemaekers’ auf¬ 
merksam geworden, sorgten für die breiteste Popularisierung seiner Er¬ 
zeugnisse und seines Namens. In London brachte die DAILY MAIL und 
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