Full text: Das Bild als Waffe

II. Die Bildpropaganda 
im Rahmen der französischen Weltkriegspropaganda. 
A. Zeitlicher Verlauf. 
Obwohl die Wirkungsmacht des künstlerisch gestalteten, tendenz- 
bestimmten Bildes erst im Verlauf des vorigen Jahrhunderts durch die 
fortschreitende Entwicklung der Technik — vor allem durch die Erfin¬ 
dung des Steindrucks, der Zinkhochätzung und der Autotypie — ganz in 
den Dienst der Propaganda gestellt werden konnte, war sie früheren Zeiten 
nicht unbekannt. Gegen Ende des XV. Jahrhunderts förderte der für die 
Massenerzeugung geeignete Holzschnitt das Aufkommen bebilderter 
Flugblätter und Einblattdrucke, auf denen Schlachten und Kriegsgreuel 
zu den am häufigsten dargestellten Ereignissen gehörten. Teilweise handelt 
es sich um amtliche Veröffentlichungen, deren Propagandacharakter un¬ 
verkennbar ist10*. 
In Frankreich brachte die Revolution mit der Erklärung der 
Menschenrechte vom 4. August 1789 die Abschaffung der Zen¬ 
sur und damit eine Flut von satirischen Presseerzeugnissen aller Art, 
gleichzeitig den Weg freimachend für das im Dienste der Agitation 
stehende satirische Bildn. Unter dem Bürgerkönigtum Louis- 
Philippes erreichte die politische und die gesellschaftskritische Kari¬ 
katur einen Höhepunkt in Ausdruck und Wirkung, gekennzeichnet durch 
Namen wie Philipon, Daumier und Gavarni. Witzblätter wie die CARI- 
CATURE und der CHARIVARI erhielten als propagandistische Kampf¬ 
mittel in den Händen der Opposition gewaltige Bedeutung. 
Unter dem Druck der Pressegesetzgebung des Zweiten Kaiser¬ 
reichs wandte sich die französische Bildsatire wieder mehr der Sitten¬ 
schilderung und der sozialen Kritik zu. Erst der Deutsch-Fran¬ 
zösische Krieg von 1870/71 erweiterte ihr Blickfeld, ohne jedoch 
einen schlagkräftigen Einsatz im Dienste einer zielbewußten nationalen 
Propaganda zu bewirken. 
Die Gründe für dieses Versagen sind verschiedener Art. Durch die 
Belagerung wurde die französische Hauptstadt sehr bald von der übrigen 
zivilisierten Welt getrennt; fast alle Künstler stellten ihre Arbeit ein 12. 
Zudem gab es außer dem zweiundsechzigjährigen Daumier, der seine 
7
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.