Full text: Das Bild als Waffe

katur über die Erleichterungen, die man den «demoiselles» beim Besuch 
der Poilus an der Front gewährte, die aber den rechtmäßigen Frauen ver¬ 
weigert wurden 359. 
Fine deutliche Sprache führte ein chiffriertes Telegramm der Regie¬ 
rungsbehörde von Algier an den französischen Ministerpräsidenten, den 
Außenminister und den Marineminister 36°. Es klagte über die „bedauerns¬ 
werten Wirkungen, die das Titelbild der Zeitschrift LE RIRE mit der 
Beischrift ,Der Fußtritt in den Fezc auf die mohammedanischen Eingebo¬ 
renen ausgeübt hat.“ „Der Fez oder Chechia — so erklärte der Gouver¬ 
neur — ist ebensosehr ein religiöses wie politisches Sinnbild, und im Inter¬ 
esse der Ruhe Nordafrikas hoffe ich lebhaft, daß die Aufmerksamkeit der 
Zensur auf die Mißhelligkeiten gelenkt wird, die jeder Angriff nach sich 
zieht, der — gegen die Türken gerichtet — hauptsächlich die Muselmanen 
trifft.“ Zu den Darstellungen gewisser satirischer Blätter, die den türki¬ 
schen Sultan mit dem Turban oder einen Senegalesen bei der Verfolgung 
eines Türken mit dem Fez zeigten, hieß es: „Diese Zeichnungen verletzen 
das religiöse Gefühl der Bevölkerung.“ 
Diese Beispiele mögen genügen, um das Ausmaß der meinungs- und 
willensbeeinflussenden Wirkung der französischen Weltkriegsbildpropa¬ 
ganda zu umreißen. Eine über Annäherungswerte hinausgehende Messung 
erscheint um so weniger möglich, als es sich hier wie bei jeder Propaganda 
um seelisch-geistige Unwägbarkeiten handelt, die sich der rechnerischen 
Erfassung entziehen. 
Für eine Wissenschaft, die sich die Untersuchung der Leitfähigkeit 
publizistischer Mittel für den Strom der zu propagierenden Ideen zum 
Ziel gesetzt hat, dürfte darüber hinaus eine Zusammenstellung der bild¬ 
propagandistischen Wirkungsfaktoren von wesentlicher Bedeu¬ 
tung sein. 
C. Wirkungsfaktoren. 
Diese Faktoren sind einerseits im Propagandabild selbst 
und seiner publizistischen Darbietung zu suchen, anderer¬ 
seits liegen sie in der zu beeinflussenden Masse, deren see¬ 
lisches Gefüge der Propagandist kennen muß, will er seine Ideen in ihr 
fruchtbar werden lassen. 
Neben den mannigfachen publizistischen Formen, die wir in ihrer 
Eigenschaft als Träger der französischen Bildpropaganda kennenlernten, 
verdient das Verhältnis der Wirkungsmöglichkeiten der angreifenden und 
verteidigenden Tendenz in den verschiedenen Ideenkreisen Erwähnung. 
Die Schwergewichtsachse der propagandistischen Wirkung geht von der 
außenpolitisch-negativen Seite zur innenpolitisch-positiven: dem «Boche» 
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