Da sieht er bei Kerzenlicht
Die Tote sitzen, gleich lebendem Wesen,
Sie scheint Gebete und Psalmen zu lesen.
Die Mutter weint und sinnt und klagt:
„Wann wird erlöst mein Kind?"
Die Riegel fest, kein Rütteln hilft,
Kein Mensch sie zu sprengen ein Mittel sind't.
Und Tage und Wochen vorüberzieh'n-
Vergessen tritt ein, die Jahre slieh'n.
Als einst die Burgfrau ins Weite späht,
Da naht ein Zug dem Schloß)
Das rote Kreuz auf den Mantel gestickt,
Harrt vor dem Tor der Troß.
Sie heben vom Pferde, zu Zwei'n oder Drei'n
Einen kreuzgeschmückten schwarzen Schrein.
Die Burgfrau läßt sie zum Tor hinein,
Nach ihrem Begehren sie rät.
„Wir sind die Knappen des Falkenstein
Und bringen im Sarg sein Skelett.
Er hat im heiligen Land gestritten
Und dort durch die Heiden den Tod erlitten —.
Und seine letzte Bitte war:
„Bringt mich Zu Adelheid
Und bettet mich in meinem Sarg
In der Heimat der Braut zur Seit')
Dann werd' ich von meinen Sünden
Erlösung und ewige Ruhe finden."
Man zieht zur Altenburger Gruft,
Jedoch die Riegel halten fest)
Die tote Braut den Falkenstein
Zu sich in das Gemach nicht läßt.
Drum setzt den Sarg man vor die Türe,
Bielleicht, daß dies die Tote rühre.
Doch keine Beschwörung durch Priester half)
Der Sarg noch nach Iahren alldort stand.
Und auf der Burg zu Mitterberg
Regina, die Burgfrau, man tot einst fand.
Rur in der ältesten Leute Munde
Ging noch von dem toten Geschlecht die Kunde.