Volltext: Briefe und Aufzeichnungen des Generalfeldmarschalls aus Krieg und Frieden

V. Die Wacht auf dem Balkan 
i. Angriff auf Saloniki? 
Skizze io 
Bei Abschluß des serbischen Feldzuges standen nur noch geringe Teile der von 
deutscher Seite eingesetzten Streitkräste an der Front: bei der 3. Armee das Alpen- 
korpS und bei der u. Armee das Generalkommando des Generals von Winckler mit 
der ioi. und 103. Infanteriedivision; alle übrigen Verbände waren entweder bereits 
im Abtransport nach dem westlichen Kriegsschauplatz oder im Rückmarsch nach Süd 
ungarn. Die zum Schutz der bulgarischen Häsen Varna und BurgaS bestimmte 
103. Infanteriedivision harrte um Aleksinac des Zeitpunktes, wo die äußerst schwierige 
Bahn- und DerpslegungSlage ihre Weiterleitung zulasten würde. Da die Bulgaren Ln 
der Folge für BurgaS auf deutsche Truppen verzichteten, blieben Teile der Division 
für eine Verwendung auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz verfügbar. Die un 
mittelbare Zuführung von Verstärkungen für das bulgarische Feldheer beschränkte 
sich auf eine Anzahl GebirgS-Maschinengewehr-Abteilungen, schwere Batterien, Funk 
stationen und Kraftwagenkolonnen. Die Beteiligung deutscher Truppen an der Fort 
setzung der Operation gegen die Entente war also mit Rücksicht auf neue^tzurch die 
Gesamtlage des DierbundeS gebotene Aufgaben auf ein geringes Maß herabgesunken. 
Roch viel bescheidener war das Aufgebot, das Österreich-Ungarn mit einer einzigen 
Division (37. Infanteriedivision des VIII. Armeekorps) stellte. Alle übrigen Verbände 
wollte Generaloberst von Conrad zum Angriff auf Montenegro verwenden. Am 
23. November erklärte er überraschenderweise das dem Generalfeldmarschall von 
Mackensen übertragene Mandat hinsichtlich der Truppen der Donau-Monarchie so 
lange für erloschen, bis neue Vereinbarungen getroffen fein würden. Die Verwahrung, 
die der deutsche Generalstaböchef dagegen einlegte, änderte an der Sachlage selbst 
nichts. 
Einen erheblichen Kräftezuwachs hingegen hatte das bulgarische Heer inzwischen 
erhalten. Seine an der serbischen Westgrenze und in der Gegend von Monastir 
stehende 1. Armee — General Bojadjiew — zählte drei Infanterie- und eine Kavallerie- 
division, die 2. — General Todorow — im Raum von Gjevgjeli und Doiran sechs 
Infanteriedivisionen. Die in der Heimat zurückgehaltenen Kräfte beliefen sich auf 
etwa drei Divisionen. 
Nach den über den Feind vorliegenden Nachrichten waren bis zum 10. November 
113 000 Mann Ln Saloniki gelandet, davon etwa zwei Drittel mit der Bahn auf 
serbisches Gebiet vorgeführt worden. Die Stärke der den Bulgaren im Winkel 
zwischen Cerna und Dardar gegenüberstehenden Verbände wurde auf dreieinhalb 
Divisionen geschätzt. Die Zuführung weiterer Kräfte dorthin sollte sich in mäßigen 
Grenzen halten. Man rechnete, daß bei Jnnehaltung des bisherigen Zeitmaßes das 
englisch-französische Expeditionskorps von angeblich 230000 Mann in etwa sechs
	        
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