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diesem Vertrauen sollte die Oberste Heeresleitung nicht getäuscht
werden. An dem Entschlüsse, vorerst die Entscheidung im Osten
zu suchen, hielt sie auch fest, als die Kampftätigkeit im Westen
erneut auflebte, während die Abbeförderung der Truppen nach
Galizien noch im Gange war.
Kurze Beschreibung des Kampfgeländes.
(Siehe Reliefkarte und Skizzen 1 und 2.)
,enn man, selbst in größeren geographischen Werken, die
> Beschreibung Galiziens nachliest, so bekommt man meist
keinen allzu günstigen Gesamteindruck von diesem Lande.
Durch den hohen Wall der Karpaten fast ganz von den übrigen
Teilen der schönen Donaumonarchie getrennt, den aus den russi¬
schen Landen herüberblasenden eisigen Winterstürmen und den er¬
stickenden Hitzewellen des russischen Hochsommers schutzlos preis¬
gegeben, mit wenig entwickelter Industrie und einer Bevölkerung,
von der ein hoher Prozentsatz weder lesen noch schreiben kann, so
erscheint dieses österreichische Kronland als ein schon beinahe „russi¬
sches" Land im früheren üblen Sinne. Kein Wunder, daß viele
Ungarn und selbst eine große Zahl West-Österreicher nur mit leisem
Gruseln von diesen Gebieten sprachen. Sie waren ihnen das „Land
jenseits der Karpaten, in dem nichts los ist, wo die Kultur ein
Ende hat, wo Schmutz und Ungeziefer herrschen und man nur
durch Vermittelung des galizischen Juden mit seinen typischen
Ringellocken und seinem schmutzigen Kaftan leben kann". So
kann man sich vorstellen, daß in der ersten Zeit des Welt¬
krieges der südöstliche Kriegsschauplatz dem an Ordnung und
Sauberkeit gewöhnten deutschen Soldaten noch schlimmer erschien,
als das „eisige, öde Rußland", welches lange Zeit im Gegen¬
sätze zum westlichen Kriegsschauplätze als der Inbegriff eines
völlig reizlosen Landes galt, in dem der ohnehin schwere und
entbehrungsreiche Krieg noch härtere Anforderungen an Mensch
und Vieh zu stellen schien.
Im Laufe der Zeit haben sich die Anschauungen völlig ge¬
wandelt. Jetzt schildert die Mehrzahl von uns Deutschen, die